"Führen ohne Burnout"

Burnout-Prävention in Unternehmen anhand von Risikofaktoren aufzeigen

Wien (OTS) - Der Begriff Burnout ist heutzutage in aller Munde und wird fast schon inflationär verwendet. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die scheinbar nutzbringende Maßnahmen gegen Burnout in Unternehmen anbieten und oft mit nicht-wissenschaftlichen Methoden meinen, ein "Heilmittel" gegen Burnout oder Burnoutgefährdung gefunden zu haben. So wird sogar mitunter Gymnastik, Massagen oder ähnliches in Unternehmen als Maßnahmen gegen Burnoutgefährdung angeboten, ohne auf arbeits- oder unternehmensspezifische Faktoren einzugehen.

Aus diesem Grund veranstaltete der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP, http://www.boep.eu) gemeinsam mit dem Institut für Psychologie an der Universität Graz ein Symposium mit ExpertInnen. Zusammen mit dem international renommierten Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Leiter wurde das Thema Burnout-Prävention diskutiert. Das ExpertInnen-Symposium fand am 4.12.2009 im Zuge der Veranstaltung "Führen ohne Burnout" an der Universität Graz statt. Dabei wurden erste Schritte für eine Burnout-Prävention entwickelt.

Identifikation von Risikofaktoren hat Priorität

Spricht man heutzutage von Prävention von Burnout, wird meist nur auf Belastungs-Faktoren in Unternehmen eingegangen. Es ist zu einfach, Belastung mit der Arbeitsmenge gleichzusetzen. Dann den Ratschlag zu geben: "Arbeite doch einfach etwas weniger!" führt nicht zu einer Lösung. Es stellt sich nun die Frage, welche Bereiche in Firmen verändert werden können, die einerseits Burnout verhindern können, die Leistung erhalten oder sogar steigern lassen und auch tatsächlich von Seiten eines Unternehmens veränderbar sind.

Prof. Michael Leiter stellte dabei die sechs Faktoren des Arbeitslebens vor: Beanspruchung, Gemeinschaft, Kontrolle, Belohnung, Werte und Fairness. Vor allem an den sozialen Beziehungen innerhalb der Firma (z.B. respektvoller, wertschätzender Umgang) kann präventiv angesetzt werden. Werden solche Risikofaktoren erkannt, können diese nicht nur beeinflusst, sondern auch in unternehmensspezifischen Präventionsprogrammen inkludiert werden. Daher geht es um die klare Erkennung dieser Burnout-Präventions-Faktoren. Die Berücksichtigung dieser Faktoren führt langfristig auch zu einer erhöhten Leistungs-fähigkeit der MitarbeiterInnen.

Die Sichtweise von Burnout-Prävention sollte überdacht werden

"Vor allem bei Präventionsprogrammen müssen das Wiedererwerben von Engagement bzw. Motivation und der Aspekt der Gesundheit in den Vordergrund rücken. Nicht das Verhindern von Burnout, sondern das Fördern von "positiven" Aspekten kann helfen, Prävention attraktiver und wirkungsvoller zu gestalten.", so Dr. Paul Jiménez, Institut für Psychologie in Graz.

Burnout ist eine arbeitsbezogene Erkrankung, bei der die psychologisch richtige Erkennung von großer Bedeutung ist. Nur wenn die Abgrenzung des Burnout-Begriffs klar und eindeutig ist, kann die Prävention auch dementsprechend gestaltet werden.

Die Zugangsweise, Burnout nur als Belastungsphänomen zu sehen, ist aus arbeitspsychologischer Sicht zu eng. Ein ressourcenorientierter Zugang mit der Identifikation von unternehmensspezifischen Risikofaktoren, aber auch Quellen und Potentialen für höheres Engagement sind wichtige Ansatzpunkte und helfen auch Unternehmen, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gemeinsam mit den MitarbeiterInnen Arbeit und Leistung positiv zu verknüpfen.

Am Thema interessierte oder Betroffene können sich unter der Seite www.argeburnout.at näher informieren. Dort findet sich auch ein Test, der eine erste Einschätzung des Burnout-Risikos ermöglicht.

Der Berufsverband führt eine Liste von PsychologInnen, die Unterstützung für Burnout Betroffene bieten unter www.arbeitspsychologie.org aber auch speziell Unternehmen helfen können, Risikofaktoren zu berücksichtigen. Speziell für den Aspekt Führen bietet www.gesundes-fuehren.at genauere Informationen.

Dr. Jiménez ist im Leitungsteam des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen für den Bereich Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie.
Webseite: http://www.boep.eu/AWO.230.0.html

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1252

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Paul Jiménez, Institut für Psychologie der Karl-Franzens-Universität Graz, Arbeitsbereich Arbeits- Organisationspsychologie.
Tel. 0316 380 5128. E-Mail: paul.jimenez@uni-graz.at
http://www.uni-graz.at/pslgdwww_paul_jimenez

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