WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das einzige, was fliegt, sind die Hackln - von Robert Lechner

Seit Monaten geht am Flughafen Wien gar nichts mehr

Wien (OTS) - Die jüngsten Kapriolen am Flughafen Wien rund um die Genehmigungen für Bauprojekte überraschen wenig. Die Liste der Sündenfälle und strategischen Fehlentscheidungen ist mittlerweile so lang, dass sich an der Börse sogar die treuesten Fans von der Airport-Aktie verabschieden. Aus Sicht des besten Fondsmanagers des Jahres 2009 hat das Flughafen-Management total versagt.

Der Bauskandal rund um den Terminal Skylink, der um 400 Millionen Euro teurer wird als gedacht, ist nicht einmal das größte Problem. Viel schwerer wiegt, dass sich die als Manager eingesetzten Politgünstlinge der Landesregierungen des roten Wien und des schwarzen Niederösterreich derart bekriegen, dass seit Monaten gar nichts mehr geht. Das einzige, was noch fliegt, sind die sprichwörtlichen Hackln. So wurde heuer der Einstieg in St. Petersburg vermasselt, obwohl daran eine Mannschaft von zehn kompetenten Leuten wochenlang intensiv gearbeitet hat. Laut Insidern fehlte die Rückendeckung der obersten Chefs. Kein Wunder, sie waren und sind mit internen Grabenkämpfen beschäftigt.

Das führt übrigens auch dazu, dass kaum Zeit bleibt, den neuen AUA-Eigentümer Lufthansa von den Vorteilen zu überzeugen, die Wien als Drehscheibe bietet. 2010 wird damit ein Jahr, in dem der Stellenwert des Flughafens im Osteuropa-Verkehr deutlich schrumpfen wird. Lufthansa verwendet zunehmend München und Zürich als Ost-Hubs. Sich auf Billigflieger zu verlassen, funktioniert ebenfalls nicht. Die einst verhätschelte SkyEurope ist bekanntlich vollkommen von der Bildfläche verschwunden.

Dazu kommt eine mittlerweile stark veraltete Infrastruktur. Wer Wien mit wirklich attraktiven Terminals in Asien oder Nordeuropa vergleicht, weiß, wovon die Rede ist. Mit großzügigen Shoppingflächen nach den Sicherheitskontrollen werden dort ordentliche Mieteinnahmen lukriert. Wien zählt indes zu jenen Flughäfen, an denen die Menschen an den Geschäften vorbeihasten müssen, um ihre Maschine nicht zu verpassen. So bleiben Millionenumsätze liegen, die Jobs sichern und zusätzliche Steuereinnahmen bringen würden. Ganz zu schweigen vom Schaden, der dem Skylink-Debakel zuzurechnen ist. Allein die zusätzliche Zinsenlast durch die höheren Baukosten beträgt pro Jahr 20 Millionen Euro. Dazu kommen exorbitante Abschreibungen.

Diese Rechnung und die Tatsache, dass Wien im internationalen Vergleich zurückfällt, müssten auch die Eigentümervertreter, Bürgermeister Michael Häupl und Landeshauptmann Erwin Pröll, verstehen. Es ist an der Zeit, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001