• 22.12.2009, 08:21:28
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Erzwungene Weihnachtsruhe" (Von Gabriele Starck)

Ausgabe vom 18.12.2009

Wien (OTS) - Mit der Räumung des Audimax ist den Studierenden das
wichtigste Symbol ihrer Proteste abhanden gekommen. Mehr aber auch
nicht.

Das Audimax ist geleert. Die Entscheidung des Wiener Rektors, den
größten Hörsaal der Uni nach 60 Tagen Besetzung zu räumen, war eine
rein pragmatische. Niemand an der Universität hatte Lust, auch über
die Weihnachtsfeiertage das - zuletzt ausufernde - Treiben im Auge zu
behalten.

Den Studierenden ist damit das Symbol für die größte
Studentenbewegung der vergangenen Jahrzehnte und der Namensgeber für
das Wort des Jahres 2009 - Audimaxismus - abhanden gekommen. Dennoch
ist jegliche Entrüstung über die Räumung fehl am Platz.

Die Vorgänge im Audimax waren zuletzt inhaltsleer geworden, was
die Bildungsdiskussion selbst angeht. Der Hörsaal diente als
Partyraum und Notschlafstelle. Zudem sind ja zahlreiche andere
Uni-Räume nach wie vor besetzt, um die Proteste fortzuführen - auch
in Wien.

Die Weihnachtsruhe im Audimax mag erzwungen wirken, doch
eigentlich sei sie auch den protestierenden Studenten vergönnt.
Niemand hätte ihnen vor 61 Tagen zugetraut, so lange durchzuhalten.
Und niemand hätte vor 62 Tagen geglaubt, dass eine Hand voll
Studierender in Österreich eine bundesweite Bildungsdebatte vom Zaun
bricht, bei der die Politik nicht mehr weghören kann.

Jetzt geht es darum, die Probleme, die endlich benannt auf dem
Tisch liegen, gemeinsam zu lösen. Gefordert sind da alle: Politik,
Rektoren und Studierende. Die unendliche Besetzung des Audimax hätte
dazu nicht mehr viel beitragen können.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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