"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Erzwungene Weihnachtsruhe" (Von Gabriele Starck)

Ausgabe vom 18.12.2009

Wien (OTS) - Mit der Räumung des Audimax ist den Studierenden das wichtigste Symbol ihrer Proteste abhanden gekommen. Mehr aber auch nicht.

Das Audimax ist geleert. Die Entscheidung des Wiener Rektors, den größten Hörsaal der Uni nach 60 Tagen Besetzung zu räumen, war eine rein pragmatische. Niemand an der Universität hatte Lust, auch über die Weihnachtsfeiertage das - zuletzt ausufernde - Treiben im Auge zu behalten.

Den Studierenden ist damit das Symbol für die größte Studentenbewegung der vergangenen Jahrzehnte und der Namensgeber für das Wort des Jahres 2009 - Audimaxismus - abhanden gekommen. Dennoch ist jegliche Entrüstung über die Räumung fehl am Platz.

Die Vorgänge im Audimax waren zuletzt inhaltsleer geworden, was die Bildungsdiskussion selbst angeht. Der Hörsaal diente als Partyraum und Notschlafstelle. Zudem sind ja zahlreiche andere Uni-Räume nach wie vor besetzt, um die Proteste fortzuführen - auch in Wien.

Die Weihnachtsruhe im Audimax mag erzwungen wirken, doch eigentlich sei sie auch den protestierenden Studenten vergönnt. Niemand hätte ihnen vor 61 Tagen zugetraut, so lange durchzuhalten. Und niemand hätte vor 62 Tagen geglaubt, dass eine Hand voll Studierender in Österreich eine bundesweite Bildungsdebatte vom Zaun bricht, bei der die Politik nicht mehr weghören kann.

Jetzt geht es darum, die Probleme, die endlich benannt auf dem Tisch liegen, gemeinsam zu lösen. Gefordert sind da alle: Politik, Rektoren und Studierende. Die unendliche Besetzung des Audimax hätte dazu nicht mehr viel beitragen können.

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