"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Das Lager der Widersprüche" (Von Wolfgang Sablatnig)

Ausgabe vom 18.12.2009

Innsbruck (OTS) - Das Scheitern der Fraktionsgründung der Kärntner Freiheitlichen wird HC Strache nicht aufhalten.

Die Situation erinnert an 2005. Die "konstruktiven" Kräfte unter Jörg Haider haben sich damals von der FPÖ losgesagt. Jetzt versucht BZÖ-Chef Josef Bucher eine ähnliche Abgrenzung. Da, beim BZÖ, die wirtschaftsliberalen Kräfte, dort bei der FPÖ die Hetzer und Rechtsnationalen.

Bucher macht es sich aber zu einfach. Er kann sich zwar freuen, dass sein Kärntner Widersacher Uwe Scheuch es nicht geschafft hat, seine Regionalpartei im Nationalrat zu verankern.

Er hat mit Ewald Stadler, Gerald Grosz oder Peter Westenthaler allerdings mehr oder weniger begnadete Populisten in seinen Reihen. Von Heinz-Christian Strache trennt sie das Persönliche. Politisch sind sie dem blauen Chef näher als dem orangen Obmann.

Jörg Haider hat in seiner freiheitlichen Hochphase noch vieles zusammenhalten können. Er spielte beide Rollen. Die des gestaltungswilligen Polit-Profis und die des gnadenlosen Populisten.

Bucher kann diese widersprüchlichen Bedürfnisse des dritten Lagers nicht abdecken. Strache kann. Nach der Abspaltung des BZÖ hat er die damals konkursreife FPÖ zu neuen Höhenflügen geführt. Er hat nicht die inhaltliche Breite Haiders, dafür ist sein Populismus lauter und schriller. Jeder Wahlerfolg hat sein Gewicht gestärkt.

Mit den Kärntnern hat er jetzt auch noch seine einzigen ernst zu nehmenden Widersacher aus dem rechten Lager an Bord geholt. Dass die Neo-Blauen aus dem Süden es doch nicht schaffen, einen eigenen Klub im Nationalrat zu gründen, ist da nicht mehr als ein Betriebsunfall. Im Parlament werden sie dann eben gleich zu echten Blauen.

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