"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Das Versagen der Kontrollore" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 18.12.2009

Wien (OTS) - Geben Sie Ihren Träumen eine Chance. So lautet seit Jahr und Tag der Werbeslogan der Kärntner Hypo Alpe Adria. Er hatte offenbar nicht nur für den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider Gültigkeit, der sich von der Hypo seine politischen Träume finanzieren ließ.
Auch Finanzmarktaufsicht und Nationalbank haben den Träumen geglaubt. Vor einem Jahr haben sie der Bank offiziell bescheinigt, dass sie "not distressed", also "nicht notleidend" ist. Heute putzen sich beide Institutionen mit gleich lautenden Rechtfertigungen ab. Sie haben "alle damals vorliegenden Informationen berücksichtigt" und sie haben sich an die von der EU definierten Kriterien gehalten. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny legte diese Woche noch eins drauf: "Die Aufseher können nicht alles wissen, sie sind ja nicht die Manager."
Das ist zwar prinzipiell richtig, aber trotzdem unbefriedigend. Völlig unbeachtet geblieben ist dabei, dass es nicht nur eine staatliche Bankenaufsicht, sondern auch einen Aufsichtsrat gibt. Der müsste die Manager laut Aktiengesetz "angemessen" kontrollieren. Bei der Hypo Alpe Adria haben die Spatzen (und nicht nur die bösen Mitbewerber) vom Dach gepfiffen, dass die Bank in Südosteuropa riskante Finanzierungen vornimmt. Da wären bohrende Fragen und sorgfältige Kontrollen angemessen gewesen. Die notwendigen Fragen wurden nicht gestellt oder nicht beantwortet. Sollten die Manager den Aufsichtsrat angelogen haben, wäre das ein Fall für die Gerichte. Gespannt darf man sein, wie die Aufsichtsräte der gleichfalls unter Problemen leidenden Volksbanken AG agieren. Der Sektor wirbt unverdrossen mit dem Slogan "Volksbank mit V wie Flügel", und Generaldirektor Gerald Wenzel beteuert, dass "die Bank gesund ist und sich sicher nicht nochmals beim Bund um Staatshilfe anstellen wird". Hoffentlich stimmt wenigstens letzteres. Ungeprüft darauf verlassen sollten sich die Aufsichtsräte nach den jüngsten Erfahrungen in anderen Instituten aber nicht.

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