"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, Pack ..."

Straches neuer Lebensabschnittspartner hält schon bei der Mitgift nicht.

Wien (OTS) - Willkommen daheim, proklamierte Heinz-Christian Strache, als er stolz seine Beute, Uwe Scheuch, präsentierte. Jubelstimmung bei den Blauen. Erleichterung bei den Kärntner Orangen:
Endlich will niemand mehr von ihnen wissen, wo die erspielten Hypo-Milliarden sind. Stattdessen gibt es - selbst in als FPÖ-"Feindmedien" verschrienen Blättern - Schlagzeilen wie: "Kärntner Überläufer stärken Strache".
Dramaturgisch gesehen war es ein Coup. Dass Strache die Kärntner Orangen aus dem zum Himmel stinkenden Hypo-Sumpf zieht, hat Freund und Feind überrascht.
Reich rechnerisch wird die FPÖ im Parlament an Mandaten stärker -wie immer das Gefeilsche um die Gründung eines eigenen Kärntner Klubs ausgeht.
Taktisch hat Strache damit kurzfristig gepunktet. Ob er damit auch strategisch die Weichen auf eine schnellere Fahrt ins Blaue gestellt hat, ist mehr denn je fraglich.
Da ist zuallererst die tickende Zeitbombe Hypo-Skandal, die Strache mit ins orange-blaue Ehebett genommen hat. "Ich sehe kritisch, dass die FPÖ jetzt mit dem Kärntner BZÖ die Hypo-Veranwortlichen mit im Boot hat", nennt im KURIER-Interview EU-Abgeordnete Andreas Mölzer als erster hochrangiger FPÖ-Mann das hochgiftige Ehemitbringsel öffentlich beim Namen.
Straches neuer Lebensabschnittspartner Uwe Scheuch hält auch schon bei der versprochenen Mitgift nicht. "Fünf von meinen Abgeordneten" wollte Uwe Scheuch aus dem orangen Klub wegsprengen, um damit den FPK-Klub zu gründen. Rein technisch wäre es möglich, dass sich die vier Kärntner Ex-Orangen schlicht im Freiheitlichen Klub niederlassen. Und damit auch nach außen hin klar deklarieren, was Sache ist: Sie sind ab sofort wieder blau statt orange.
Aber mit Gründung eines eigenen Klubs gibt es viele Steuermillionen für die vorgebliche Robin-Hood-Partei. Allein der fünfte Mann wäre 1,15 Million Euro wert. Der Kärntner Stefan Markowitz ist daher im BZÖ der Held des Tages. Er hat heftigen Pressionen seiner "Parteifreunde", zu Blau überzulaufen, widerstanden.
Denn das ist das wahre Erbe Jörg Haiders: Das dritte Lager ist -ob im blauen oder orangen Kostüm - längst keine Partei mehr, sondern eine Partie von Glücksrittern. Bündnisse sind weder im "Bündnis Zukunft Österreich", geschweige denn in der Strache-FPÖ von langer Dauer. "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", heißt es dieser Tage in vielen Internet-Foren.
In der Tat: Zu Beginn der schwarz-blauen Koalition 2000 saßen die Scheuchs und Straches mit den Stadlers und Westenthalers noch gemeinsam im Boot ihres Mentors Jörg Haider. Als es die ersten blauen Wahlniederlagen hagelte, schickte Haider die Scheuch-Brüder aus, um seinen eigenen Koalitionsvertrag beim damals noch blauen "Putsch in Knittelfeld" öffentlich zerreißen zu lassen.
Mit den Scheuchs putschte Haider dann 2005 von Blau zu Orange. 2009 putscht Scheuch, weil es ihm gerade zupass kommt, von Orange zu Blau zurück.
Der nächste "eiskalte Putsch" folgt garantiert.

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