Vorgehensweise der Wr. Patientenanwaltschaft nach Medizinschaden

Umfassendes Beratungsservice, nicht nur hinsichtlich Entschädigung, am Beispiel einer nun auf den Rollstuhl angewiesenen Patientin

Wien (OTS) - Für Menschen, die im Zuge einer medizinischen Behandlung oder Pflege zu Schaden gekommen sind, bietet die Wiener Pflege- und Patientinnen- und Patientenanwaltschaft (WPPA) ein umfassendes Servicepaket. Nicht nur die Frage einer Entschädigung wird erörtert, sondern auch Rat und Hilfe bei der Organisation des durch den Schaden geänderten Umfeldes Betroffener geboten. "Bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen geht es ja nicht nur um Entschädigung, sondern auch um das Organisieren von Pflegeleistungen, um die Frage eines Versorgungs- oder Pensionsanspruches, behindertengerechte Wohnungsadaptierung usw.", gibt der Wiener Patientenanwalt Brustbauer zu bedenken. Deshalb ist das Team der WPPA auch multiprofessionell und umfasst neben JuristInnen auch diplomierte KrankenpflegerInnen, eine Sozialarbeiterin, VertrauensärztInnen sowie Kanzlei- und Verwaltungsfachkräfte. Je nach Notwendigkeit kommt also entsprechend ausgebildetes Personal zum Einsatz, denn zu Schaden gekommene PatientInnen sind mit ihrer neuen Situation verständlicherweise nicht selten überfordert.

Multiprofessionelle Betreuung durch die WPPA am Beispiel einer Patientin, die nach einer Behandlung im Krankenhaus Rudolfstiftung behindert ist

Die Vorgeschichte in aller Kürze: Das Leben der Patientin ist durch erhöhten Hirndruck massiv gefährdet. Mit Hilfe eines Medikamentes kann ihr Leben zwar gerettet werden, doch eine Folge der Therapie ist, dass ihre Knochen angegriffen wurden. Inzwischen ist dieser Prozess so weit fortgeschritten, dass die Patientin auf den Rollstuhl angewiesen ist. Zwar soll sich die Patientin nach der Behandlung an eine Patientenanwaltschaft gewendet haben, dies war jedoch offenbar nicht die nach dem Spitalssitz zuständige Wiener Patientenanwaltschaft. Die Patientin klagt das Krankenhaus. Die Erstinstanz weist die Klage ab, das Urteil wird im zweiten Rechtsgang an die Erstinstanz zurückverwiesen und dort wird zwecks Klärung weiterer Umstände vertag. Ein rasches Prozessende ist nicht zu erwarten, der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss. Ein Verschulden im Sinne einer Fehlmedikation ist zumindest nicht eindeutig, die Beweisführung schwierig. Juristisch engagiert sich neben dem Rechtsanwalt auch der Wiener Patientenanwalt, selbst vormals Richter und Vizepräsident des Obersten Gerichtshofes. Brustbauer zeigt Wege auf, wie man eventuell die Sache vom Gericht weg und hin zum Patientenentschädigungsfonds bringen könnte. Viel Aufwand an Geld und wohl auch an Nervensubstanz der Patientin könnte so vermieden werden. Hier gilt es abzuwägen, ob eine vielleicht geringere Entschädigung aus dem Patientenentschädigungsfonds oder doch die auf vollen Schadenersatz gerichtete Klage, deren Erfolgschancen zumindest nicht sicher sind, weiter verfolgt werden soll. Entscheiden muss das letztlich die Patientin selbst, aber der Patientenanwalt steht ihr beratend zur Seite. Und er ist Vorsitzender, wenn auch nicht allein entscheidendes Mitglied im Beirat des Entschädigungsfonds, der laut Richtlinie nur dann herangezogen werden kann, wenn kein Gerichtsverfahren anhängig ist. Es wird auch nicht über Schuld oder Haftung eines Spitals entschieden, sondern über eine verschuldensunabhängige Entschädigung. Allerdings ist die Höhe einer solchen Entschädigung nach den Richtlinien beschränkt. Brustbauer:
"Es handelt sich dabei um eine Entschädigung, nicht aber um einen Schadenersatz. Bei eindeutigem Verschulden, das vollen Schadenersatzanspruch bewirken würde, darf keine Entschädigung aus dem Fonds erfolgen."

Eine Entschädigung aus dem Fonds oder ein gerichtlich zugesprochener Schadenersatz löst jedoch nicht alle Probleme:
Pflegegeld und Berufsunfähigkeitspension wurde zwar schon gewährt, aber ist das Pflegegeld noch dem stetig steigenden Pflege- und Betreuungsbedarf der Patientin angepasst? Ist ein Erhöhungsantrag schon empfehlenswert? Ist die Wohnung der Patientin behindertengerecht ausgestattet? Wenn nein: Ist ein Umbau möglich und wer fördert das allenfalls? Auch Zuständigkeitsfragen stellen sich:
Die Spitalsbehandlung fand in Wien statt, die Patientin wohnt aber in einem anderen Bundesland. Für die Entschädigung aus dem Fonds ist Wien zuständig, die Sozial- und Behindertenhilfe richtet hingegen nach dem Wohnsitz. All diesen Fragen geht die Sozialarbeiterin der WPPA nach, die dabei auch pflegerischen Rat der im Nebenbüro arbeitenden diplomierten Krankenpflegerin einholt und die zuständigen Behörden verständigt. All das wäre ja für die nunmehr im Rollstuhl sitzende Patientin nicht so einfach. Neben der eigentlichen Behinderung, die sie rein körperlich einschränkt, muss sie ihre neue Situation ja auch psychisch verkraften.

Natürlich kann die Patientenanwaltschaft nicht alles bis ins letzte Detail durchorganisieren und ist letztlich auch keine Stelle, die anderen Behörden Aufträge erteilen kann. Aber sie kann dank ihrer multiprofessionellen Struktur die Interessen der PatientInnen aufgreifen, die Situation und den Hilfebedarf analysieren, Anregungen bei zuständigen Stellen einbringen und so eine Stütze für die PatientInnen sein. Und genau das wird die Patientenanwaltschaft versuchen für die Betroffene im Anlassfall zu sein, ebenso, wie sie es in vielen anderen Fällen schon war und auch in Zukunft sein möchte. "Dabei sind wir uns dessen bewusst, dass wir erlittenes Leid und Wunden nie ganz heilen können, aber erträglicher können wir die Situation für Geschädigte durchaus machen", schließt Brustbauer.

Die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft ist in Wien 5., Schönbrunner Straße 108 und telefonisch unter 587 12 04 werktags, Montag bis Freitag von 8-16 Uhr erreichbar. Mailadresse:
post@wpa.wien.gv.at , Webseite: www.patientenanwalt.wien.at mit Kontaktformular. Siehe auch OTS0126 vom 16.12.2009/11:39 und OTS0255 vom 4.12.2009/14:16. (Schluss) neu

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