Der Countdown läuft - 2010 droht vertragsloser Zustand mit SVA 1

Ab Frühjahr könnten SVA-Patienten zu Privatpatienten werden - Reformkompromiss der niedergelassenen Ärzte scheiterte am Widerstand der SVA-Spitze

Wien (OTS) - Rund 7200 niedergelassene SVA-Vertragsärztinnen und -ärzte sorgen bundesweit für die Betreuung der Patientinnen und Patienten der Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA). Dieses wohnortnahe medizinische Netz wird gern genutzt: 3,6 Millionen Mal benötigen SVA-Patientinnen und -Patienten jährlich niedergelassene Ärzte. Damit holt sich jeder/jede Versicherte fünf Mal pro Jahr Rat von ihrem bzw. seinem niedergelassenen Hausarzt/Facharzt.

Im kommenden Jahr müssen die Versicherten nun möglicherweise ihre Behandlungen in der Ordination bezahlen und bekommen nur einen Teil refundiert. 2010 droht ein vertragsloser Zustand. Damit würden die SVA-Patienten zu Privatpatienten.

Der Hintergrund: Der SVA-Vorstand hatte Ende September eine fast ein Jahr lang zwischen Kassen-Vertretern und niedergelassenen Ärzten verhandelte Vereinbarung gekippt. Die SVA-Spitze lehnte sie ab, obgleich sie Verbesserungen für die Patienten vorsah. Die Bundeskurie Niedergelassene Ärzte kündigte daraufhin den Gesamtvertrag mit der SVA zum 31. Dezember 2009.

Reformvertrag von SVA verworfen - trotz Goodwill der Ärzte

In der ursprünglich vorgesehenen Vereinbarung hatten die Ärzte Entgegenkommen gezeigt: Eine neue Gruppenpraxenregelung und Verbesserungen beim individuellen Patientenservice wären über interne Umschichtungen von den Ärztinnen und Ärzten weitgehend selbst finanziert worden. Nach intensiver Abstimmung der Fachgruppen waren die technischen Fächer bereit, zugunsten von Verbesserungen in den genannten Bereichen und der Einführung der modernen Gruppenpraxis eine deutliche Absenkung ihrer Tarife in Kauf zu nehmen.

Dies eingerechnet hätte der Vertragskompromiss die SVA real nur eine einprozentige Honorarerhöhung gekostet. In den vier Jahren zuvor hatten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für die SVA bereits rund 38 Millionen Euro durch ein Honorarmoratorium eingespart. Insgesamt ist der Anteil der ärztlichen Honorare an den Gesamtausgaben der SVA von 85 Prozent im Jahr 1997 auf 62 Prozent im Jahr 2008 stark abgesunken.

Die SVA erklärte jedoch, man strebe generell eine Absenkung des SVA-Angebots auf GKK-Level an.

Modernisierung, nicht Rückschritt beim Versorgungsangebot

"Wir wollen im Interesse der Patienten keinen Rückschritt, sondern eine Fortentwicklung des medizinischen Angebots. Wir möchten, dass auch SVA-Versicherte in den Genuss von Innovationen wie Gruppenpraxen kommen, wo es verschiedene Leistungen unter einem Dach gibt. Wo das aber nicht möglich ist und der Vertragspartner stattdessen das medizinische Angebot einebnen will, ziehen wir im Interesse der Patienten die Notbremse", erklärte der Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident Günther Wawrowsky.

Ein klares Dementi kam von Wawrowsky zur Behauptung der SVA, die Ärztinnen und Ärzte hätten sich in der Frage der im Vergleich zur GKK höheren Tarife in den technischen Fächern nicht bewegt. Wawrowsky:
"Das ist eine Schutzbehauptung der SVA. Genau das haben wir nämlich tatsächlich getan, es gab eine Absenkung der Tarife in den technischen Fächern. Das wahre Ziel der SVA ist aber, zu einer Gebietskrankenkasse zu mutieren, aber den eigenen Verwaltungsapparat zu behalten. Das ist ein fauler Kompromiss, den wir nicht mittragen." (Forts.) bm

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