"Tiroler Tageszeitung" Kommentar (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 16.12.2009

Wien (OTS) - Kärnten bleibt anders

Nach dem Hypo-Desaster folgt die Fusion des dritten Lagers. Eine willkommene Ablenkung mit Spätfolgen.

Strategisch war die nun fixierte Fusion des BZÖ Kärnten mit der FPÖ ein nachvollziehbarer Schritt. Vom Zeitpunkt her war sie geradezu ideal. Da muss man den orange Blauen neidlos Anerkennung aussprechen. Das süffisante Lächeln von Uwe Scheuch und Landeshauptmann Gerhard Dörfler bleibt uns so wohl noch länger erhalten. Kurzfristig schafften es die Freunde des einfältigen Daseins, mit einem politischen Feuerwerk die Milliardenverluste der Kärntner Hypo Alpe Adria vorerst zu überlagern; mittelfristig bleiben sie in Kärnten an der Macht. Die Empörung über den wirtschaftspolitischen Kriminalfall Hypo Alpe Adria war wohl außerhalb Kärntens viel größer als dort. Für den Größenwahn müssen jetzt sowieso alle Steuerzahler herhalten. Egal, wie viele Leichen noch in den Kellern der Hypofilialen zum Vorschein kommen werden.
Wenn man so will, hat dieses Hypo-Desaster nachhaltige Effekte. Es wird zu einem noch größeren Sparpaket kommen müssen als erwartet. Davon profitiert mitunter dann das neue alte dritte Lager. Mit dieser Fusion kann nicht nur Scheuch weiter genussvoll lächeln und sich Heinz-Christian Strache als Sieger dieses CDU/CSU-Modells feiern lassen. Strache dürfte so all seine Vorhaben erreichen. Das Ende des Rest-BZÖ ist eingeläutet. Die Parteienlandschaft und das politische Klima werden sich nachhaltig ändern. Die jetzt schon starke FPÖ bekommt quasi gratis ein Bundesland dazu - und ist drauf und dran, mit ihren bekannten Parolen wieder zu jener Größe aufzusteigen, die sie einst Ende der 90er-Jahre unter Jörg Haider schon hatte. Schöne Aussichten.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001