"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Desaster muss Folgen haben" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 15. Dezember 2009

Innsbruck (OTS) - Mit der Notverstaatlichung der Hypo Alpe Adria wurde noch Schlimmeres abgewendet. Erledigt ist der Fall aber noch lange nicht.

Realistisch konnte es gar keine andere Lösung geben als die jetzt in allerletzter Minute getroffene: Eine Pleite der schwer trudelnden Hypo Alpe Adria, Österreichs sechstgrößte Bank, musste ganz einfach verhindert werden, um ein Beben in der mühsamst beruhigten Finanzbranche zu vermeiden. Und dieses Beben hätte nicht nur in Österreich schwere Schäden angerichtet.

Bei diesem Desaster um eine Bank, die ihrem außer Rand und Band geratenen Expansionskurs zum Opfer gefallen ist, gibt es keine Gewinner. Im Gegenteil: Das selbst schwer verschuldete Land Kärnten, als früherer Eigentümer Auslöser des Fiaskos, muss kräftig einzahlen. Noch weit schlimmer hat es die Bayerische Landesbank erwischt, die für ihr Kärnten-Abenteuer Milliarden verbrannte.

Büßen müssen für die Großmannssucht der Hypo Alpe Adria aber alle österreichischen Steuerzahler. Der Staat bekommt für ganze drei Euro Kaufpreis (je ein Euro für alle drei bisherigen Eigentümer) zwar 100% an der Bank, aber damit auch ungeahnte Risiken und massive Kosten.

Die Hypo ist mit öffentlichem Geld gerettet, jetzt muss der Fall aber zu Konsequenzen führen. Zumindest in Bayern bahnt sich bereits ein Köpferollen und ein juristisches Nachspiel an. Ähnliches wird wohl auch in Kärnten bzw. den Bank-Verantwortlichen für dieses Fiasko nicht ausbleiben können. Und ein weiteres Mal stellt sich auch die Frage, wieso die Kontrollen durch Nationalbank und Finanzmarktaufsicht nicht schon viel früher ergeben haben, welche Bomben da ticken.

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