"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hypo Alptraum Adria" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 13.12.2009

Graz (OTS) - Wie vom Himmel geworfen wirken die Baukörper der
Hypo Alpe Adria, die an der östlichen Einfallsstraße Klagenfurts emporragen und der Stadt eine Größe und Urbanität suggerieren, die sie nicht einzulösen vermag. Die aufsteigende Schräge wurde den Hausherren zum eitlen Sinnbild für den Aufbruch und die Entfesselung der vormals kleinen Hypothekar-Anstalt. So hoch hinaus wollten die Manager auch, und sie stillten das Verlangen nach Größe und Bedeutung mit einem Wachstumsrausch, der kein Morgen kannte und keine Scheu vor Risiko und Gefahr.

Die Politik, die die Bank als ihren politischen Schalterraum missbrauchte, zügelte die Hasardeure nicht, sondern ermunterte und dopte sie für die Leasing-Abenteuer jenseits der Karawanken. Noch roch niemand die Fäulnis vieler Kredite und Investments. Schließlich galt es, daheim die Fülle an Wohltaten zu finanzieren und die Menschen nieder zu alimentieren, mit Zuschüssen für alle Lebenslagen, von der Geburt bis zur Erst-Motorisierung. Milch und Honig sollten fließen und die Hypo war die Pumpstation, so lange, bis sie selbst eine brauchte. Sie finanzierte, was das System Haider und die Beisitzer von Schwarz und Rot befahlen, vom Schloss bis zum Seebühnenkitsch. Nur die Untertunnelung der Wörthersee-Bahn ging sich nicht mehr aus.

So hat sich die Metaphorik der aufsteigenden Schräge der Hypo-Zentrale längst in ihr Gegenteil verkehrt. Sie ist heute Symbol für provinzielle Großmannssucht und Filz, für Hoffart und Hybris von Großtuern, Günstlingen und Gauklern.

Auch wenn die Umstände und Geldflüsse von den Gerichten noch zu klären sein werden: Dass die bayrische Landesbank einstieg, war stimmig. Die DNA passte. Wie die Hypo führte auch die Landesbank des Freistaates eine unheilvolle Doppel-Existenz: Sie war Bank und Teil eines politischen Machtapparates, in diesem Fall der CSU Stoibers. Auch hier erfolgte der Zugriff direkt und schamfrei. Zwei dreiste Selbstbedienungsläden fanden siamesisch zueinander, deshalb konnte das System der Verquickung von Bank und politischem Protz weiterwuchern. Erst die Krise riss den Akteuren die Masken herunter.

Das System muss unterbunden werden, erst dann darf der Systembank der Rettungsring der Steuerzahler zugeworfen werden. Für Kärnten ist zu hoffen, dass das Debakel den Menschen die Augen öffnet, dass Ausnüchterung stattfindet. Bei den politischen Erben des Scherbenhaufens lohnt sich die Mühe der Hoffnung nicht mehr. Am Abgrund stehend wacheln sie weiter ungeniert mit den Tausendern, als wären es ihre. Das Spiel der Bankrotteure darf nicht mehr aufgehen. Es reicht.****

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