WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das letzte große Fest - von Robert Lechner

Bis Mai 2010 werden 500.000 Menschen ohne Job dastehen

Wien (OTS) - Obwohl die Wirtschaftslage derzeit so schwer einzuschätzen ist wie nie zuvor, herrscht im Einzelhandel eine so nie da gewesene Partystimmung. Mit immer schrägeren Angeboten und höheren Rabatten versuchen Rewe, Spar und die Diskonter Kunden rund um den anstehenden Marien-Feiertag in ihre Geschäfte zu bekommen.

Die Strategie wird auch diesmal wieder aufgehen. Bei allen Bekenntnissen der Verbraucher bestimmt bei den meisten schlichtweg nur der Preis, was im Einkaufswagen landet. Und so sind die Schnäppchenjäger die großen Sieger, wenn die Preise fallen. Auf der Strecke bleiben Qualität und ein fairer Preis für die Produzenten. Freilich könnte auch die Katerstimmung nach dem Fest bei Verbrauchern und Einzelhandel ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreichen. Dass müssen nun auch immer mehr Optimisten erkennen.
Wer dachte, dass hinter den jüngsten Wirtschaftsdaten so etwas wie ein solider Aufschwung steckt, wird in Einzelgesprächen mit Managern, vor allem aus dem Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen, oft eines Besseren belehrt. Bei genauerer Betrachtung sehen das Wirtschaftsforscher ähnlich: "Die Stabilisierung ist primär eine Folge der expansiven Geld- und Budgetpolitik", schreibt das Wifo in einer aktuellen Aussendung. Für viele Konsumenten könnte die laufende Preisschlacht im Handel somit die vorläufig letzte große Party gewesen sein. Denn hinter vorgehaltener Hand bestätigen auch Führungspersonen aus dem Arbeitsmarktservice, dass wir uns mit Riesenschritten einem Rekordniveau nähern. Von 500.000 Jobsuchenden bis Mai 2010 ist im kleinen Kreis die Rede.

Zusätzlich befeuert wird die Angst um den Arbeitsplatz durch die nach wie vor schwierigen Bedingungen vieler Unternehmen, an Geld zu kommen. Banken sind, nicht zuletzt auch wegen der jüngsten Ereignisse rund um die Hypo Alpe Adria, wieder ein Stück vorsichtiger geworden. Und das schwächelnde Vertrauen untereinander schlägt sich dann eben in höheren Zinsaufschlägen für die Wirtschaft nieder.

Als Hoffnungsschimmer bleibt letztlich nur, dass sich all jene doch irren, die derzeit nur einen vom Lageraufbau getriebenen Aufschwung sehen und keine solide Erholung.

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