"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Mehr Reden!"

Sehr fein, dass eine alte Kunstform in Zeiten von SMS wieder modern ist.

Wien (OTS) - Was, um Himmels Willen, ist denn am gestrigen Donnerstag schiefgelaufen? Keine Rede zur Lage der Nation, nicht einmal ein Redlein. Auch für heute ist in der Hofburg, in Schönbrunn oder an einem anderen staatstragenden Ort nix angekündigt. Schade! Man kann sich nämlich nicht genug darüber freuen, dass die Rede wieder in Mode ist. Also gehört sie gepflegt. Die simpelste Rede ist in oberflächlichen Zeiten immer noch besser als das tollste hochgehaltene Taferl.
Der Vizekanzler hat's vorgemacht und einer aus der Antike stammenden Kunst zur x-ten Renaissance verholfen. Der Kanzler hat's kopiert. Nur der Präsident ist mit seiner letzten Erklärung zum Kommunikationsmittel des Internets ausgewichen. Seltsam.
Einst ist die Rhetorik von fünf Produktionsstadien einer Rede ausgegangen: Inventio - Dispositio - Elocutio - Memoria -Pronuntiatio/Actio. Derart hohe Maßstäbe des Aufbaus und des Vortrags einer Rede darf man heute freilich nicht mehr anlegen. Stattdessen debattiert man primär den Banalitätsgrad der Kanzler'schen Aussagen. Aber immerhin debattiert man.
Wenn sich jetzt noch der Dialog, der auch aus dem Griechischen kommt, durchsetzt, ist viel gewonnen.

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