Große Armut - Keine Bildung

Neue UN-Resolution drängt dazu, Menschen mit Behinderungen in die Millenniumsentwicklungsziele einzubinden

Wien (OTS) - Weltweit leben 650 Millionen Menschen mit Behinderungen, 80 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern. Grundlegende Menschenrechte wie Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung bleiben ihnen verwehrt. In vielen Entwicklungsländern sterben nach wie vor 4 von 5 behinderten Kindern. Nur knapp 2 Prozent der Kinder mit Behinderungen besuchen eine Schule.

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York nimmt sich nun dieser Missstände an. Die neue UN-Resolution mit dem Titel "Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele für Menschen mit Behinderungen" fordert, dass behinderte Menschen in die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) einbezogen werden. Diese sehen eine Halbierung der Armut bis 2015 und Grundschulbildung für alle Kinder vor. "Ohne die Einbindung von Menschen mit Behinderungen können die MDGs nicht erreicht werden", betont UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon anlässlich des heutigen Welttags der Menschen mit Behinderungen.

Rupert Roniger, Geschäftsführer von "Licht für die Welt", erläutert, was die neue UN-Resolution für Menschen mit Behinderungen bedeutet: "Behinderte Menschen müssen damit genauso wie alle anderen Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung bekommen. Denn 300 Millionen Menschen weltweit sind behindert aufgrund von Armut."

Menschenrechtsexpertin Marianne Schulze hat die Resolution im Auftrag von "Licht für die Welt" initiiert. Sie unterstreicht: "Diese Resolution ist ein grundsätzliches Bekenntnis der Vereinten Nationen, Menschen mit Behinderungen in ihr wichtigstes Entwicklungsprogramm, die MDGs, einzubeziehen." Schulze überwacht als Vorsitzende des Monitoringausschusses außerdem die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Österreich.

Yetnebersh Nigussie ist im Alter von fünf Jahren in Folge einer Gehirnhautentzündung erblindet. "Ich hatte das große Glück, eine Schule zu besuchen. Meine Mutter hat sehr früh erkannt, dass ich ohne Bildung das Dasein einer Bettlerin fristen müsste." Heute arbeitet Yetnebersh Nigussie als Juristin am Ethiopian Center for Disability and Development (ECDD) in Addis Abeba, einer Partnerorganisation von "Licht für die Welt" in Äthiopien. "Es ist strategisch falsch, Menschen mit Behinderungen von Bildung auszuschließen. Es gibt keinen einzigen Staat der Welt, der Entwicklung ohne Menschen mit Behinderungen erreicht hat."

Helene Jarmer, Präsidentin des österreichischen Gehörlosenbundes (ÖGLB), spricht sich für gleiche Bildungschancen für alle aus, auch in Österreich: "Im Bereich Bildung ist Österreich noch ein Entwicklungsland. Von 10.000 gehörlosen Menschen in Österreich haben nur etwa 20 einen Hochschulabschluss und 100 die Matura! Der Grund dafür ist, dass es kein Recht auf Gebärdensprache als Unterrichtssprache gibt."

Vor über einem Jahr hat Österreich das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert:
"Ein Monitoringausschuss wurde eingesetzt und es gilt nun, Menschen mit Behinderungen in die Entwicklung und Überarbeitung all jener Gesetze und Maßnahmen einzubinden, die sie betreffen. Bei der Austrian Development Agency (ADA) sollte ein selbst betroffener Behindertensprecher eingesetzt werden, wie es das Regierungsprogramm vorsieht", erklärt Franz-Joseph Huainigg, Buchautor und Vertreter der österreichischen Behindertenbewegung.

Christina Meierschitz fordert im Namen der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR, das ist die Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs, Anm.): "Bund und Länder müssen nationale Aktionspläne für die Umsetzung der UN-Konvention vorlegen und auch das dafür notwendige Geld bereitstellen. Und das alles in Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen, ganz nach dem Motto: Nichts über uns, ohne uns."

Rupert Roniger von "Licht für die Welt" appelliert an die Österreichische und Europäische Entwicklungszusammenarbeit:
"Behinderte Menschen müssen von Anfang an in alle Entwicklungsprogramme einbezogen sein. Wir können nicht hinnehmen, dass heute noch Schulen gebaut werden, die behinderten Menschen nicht offen stehen."

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