100 Jahre Krebshilfe

Über die Gründung der Österreichischen Krebshilfe, Krebsforschung und Krebsheilung um 1900

Wien (OTS) - Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden Krebserkrankungen von den Medizinern und der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen. Es entstanden neue Formen der Krebsbekämpfung, die Anlass zur Hoffnung gaben, diese Krankheit - wenn sie rechtzeitig erkannt wird - zu besiegen. Zunächst hielt in der Chirurgie die so genannte Radikaloperation Einzug. Die Ärzte glaubten, dass es durch die völlige Entfernung des befallenen Körperteils zu keiner Rückkehr der Krebskrankheit kommen kann. Einige dieser neuentwickelten Operationstechniken hatten ihren Ursprung an den Wiener Universitätskliniken. Der Wiener Mediziner Theodor Billroth führte beispielsweise 1881 als erster die Resektion eines Magenkrebses durch, Ernst Wertheim machte 1989 erstmals eine abdominale Operation eines Cervixkarzinoms.

Es ging aber nicht nur um neue Wege, Krebs zu erkennen oder neue Operationstechniken und Therapien zu entdecken. Um 1900 war die Mehrheit der Bevölkerung sehr arm und konnte sich die Krebserkrankung nicht leisten. Der namhafte Wiener Mediziner Prof. Hochenegg, späterer Vizepräsident der Krebshilfe, engagierte sich besonders für Krebspatienten. Er schilderte 1909 in einem Brief eine erschütternde Geschichte einer unheilbar kranken Krebspatientin, die ungefähr erahnen lässt wie die damaligen Zustände waren:

"Es handelte sich um eine arme Witwe, Mutter zweier blühend gesunder Mädchen, von denen das ältere bereits in die Arbeit ging und so zu den Kosten des Haushaltes, den die Mutter durch ihrer Hände Arbeit zur Not deckte, beitrug. Das jüngere, ein zehnjähriges Mädchen, ging noch in die Schule. Die brave Frau hatte das Unglück, an Brustkrebs zu erkranken. Wie das so häufig geschieht, beachtete die Frau ihren Zustand anfangs nicht. Sie musste ja arbeiten, für die Familie sorgen, und hatte daher keine Zeit, an sich selbst zu denken. So kam sie zu spät auf die Klinik, und schon bei der ihr vorgenommenen Operation stellte sich die Aussichtslosigkeit derselben heraus. Solange die Frau auf der Klinik bleiben konnte, ging es ihr noch relativ gut. Wieder nach hause entlassen, fing das Elend an. Gar bald wurde sie arbeitsunfähig und musste allmählich all ihr Erspartes zusetzen, um ihren kleinen, aber früher so geordneten Haushalt zu bestreiten. Zu Anfang konnte sie noch selbst einkaufen gehen, dann wurde sie bettlägerig und ihre ältere Tochter musste die Führung des Haushaltes und die Pflege der Mutter übernehmen. So verlor diese ihren spärlichen Verdienst. Die Schmerzen, die der Armen die Nachtruhe raubten, erforderten zu ihrer Linderung teure Medikamente; die offenen Wunden verlangten häufigen Verbandswechsel mit kostspieligen Verbandstoffen. Zwar fand die Familie einen mitfühlenden Arzt, der wenigsten seine Bemühungen nicht berechnete, aber die Medizinen und Verbandstoffe mussten doch bezahlt werden und so ging alles darauf was die Frau besaß; was irgendwie noch entbehrlich war, wanderte ins Pfandhaus. Wie es nun gar nicht mehr ging und alle Mittel erschöpft waren, kam eines Tages das kleine Mädchen wieder zu mir und bat mich händeringend, ihre Mutter zu besuchen. Was ich da bei meinem Besuch zu sehen bekam, spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Ich hatte die Frau zirka drei Monate lang nicht gesehen. Sie war verfallen, abgehärmt, durch Schmerzen herabgekommen. Doch war ich weniger über ihr Aussehen entsetzt, als über das ihrer Kinder, deren noch vor kurzem rosenrote Wangen bleich und eingefallen waren. Hunger, Sorgen und das Leben in der verpesteten Atmosphäre, brachten auch die Gesundheit der Kinder in Gefahr."

Der tief betroffene Hochenegg schrieb deshalb an einem trüben Novembertag des Jahres 1909 an seinen Kollegen Prof. Eiselsberg: "Die Not unserer Krebskranken wird immer größer, wir müssen etwas tun, um sie zu lindern. Könnten wir nicht zusammenkommen, um darüber zu sprechen?" In Folge dessen wurde die "k.u.k Gesellschaft zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit" unter dem allerhöchsten Protektorat seiner Majestät des Kaisers gegründet. Eine der ersten Aktionen war, dass der Vorstand der Krebshilfe beschloss, dass Damen der "besseren Gesellschaft" - die genügend Zeit und Geld hatten - krebskranke Menschen in ihrem Bezirk besuchen sollten. Sie sollten ihnen Nahrung und Medikamente bringen, sowie ihre Verbände wechseln.

"Seit 1910 hat sich an den grundsätzlichen Aufgaben der Krebshilfe nichts geändert, nämlich dort zu helfen, wo Hilfe und Unterstützung gebraucht wird," so der heutige Krebshilfe-Präsident Sevelda. "Nur stehen heute rund 100 kompetente und bestens ausgebildete Krebshilfe-Beraterinnen österreichweit PatientInnen und Angehörigen zur Verfügung und wir leisten auch direkte finanzielle Unterstützung, wo Menschen durch die Erkrankung unverschuldet in finanzielle Not geraten sind," so Sevelda. "Denn gestern wie heute gilt: Es kann nicht sein, dass Menschen, die an Krebs erkrankt sind nicht "nur" um ihre Gesundheit fürchten sondern auch noch ihre Existenz verlieren."

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