FP-Herzog zu Erdogan: "Wer im Glashaus sitzt..."

Wutausbrüche in der Türkei angesichts eigener Situation vermessen

Wien (OTS) - Der Wiener FPÖ-Stadtrat Johann Herzog bezeichnet die Aussagen des türkischen Premierministers Erdogan als impertinent. Dieser hatte im Zusammenhang mit der Volksabstimmung in der Schweiz und dem aus ihm resultierenden Baustopp für weitere Minarette über eine angebliche "zunehmende rassistische und faschistische Haltung in Europa" gewettert. Das Referendum sei ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Kirchen niedergebrannt, Zwangsbeschneidungen, Vergewaltigungen

In der Türkei gäbe es kaum Nichtmuslime, die wenigen Verbliebenen müssten um ihr Leben fürchten. Von den zahlreichen Übergriffen sei an drei erinnert: Im September 1955 wurden im Zuge des als "Pogrom in Istanbul" in die Geschichte eingegangenen Angriffes auf religiöse Minderheiten ein Großteil der damals noch 80 orthodoxen Kirchen in Brand gesteckt. Auch 30 christliche Schulen wurden niedergebrannt, christliche Friedhöfe geschändet und tausende Gewerbebetriebe geplündert. Dutzende Menschen wurden schwer verletzt, es kam auch zu Vergewaltigungen und Zwangsbeschneidungen. Die Polizei schaute wohlwollend zu, erinnert Herzog.

Massaker an Aleviten in der Türkei mit 1.100 Toten

Nicht einmal nichtsunnitische Muslime wie die Aleviten sind in der Türkei ihres Lebens sicher. Im Dezember 1978 griffen türkische Nationalisten in Kahramanmara alevitische Wohnviertel an. Beim ersten Angriff wurden nach offiziellen Angaben 30 Menschen ermordet, bei weiteren 70. Die betroffenen Aleviten sprechen allerdings von tatsächlich 1100 Toten. Im Juli 1993 wurde in Sivas während eines alevitischen Schriftstellerkongresses das Hotel Madimak von einem entfesselten Mob nach dem Freitagsgebet verriegelt und in Brand gesetzt. 37 Aleviten starben qualvoll. Auch in unserem Jahrzehnt werden immer wieder christliche Geistliche in der Türkei bestialisch ermordet, bemerkte Herzog.

Menschenrechtsstandards in der Türkei erbärmlich

Rassismus und Faschismus sollte man vielleicht dort suchen, wo solche Haltungen durch entsprechende Taten manifestiert werden. Die Türkei ist Lichtjahre von europäischen Menschenrechtsstandards entfernt. Wenn Europa für Erdogan so schrecklich, soll er rasch das EU-Beitrittsgesuch zurückzuziehen", schloss Herzog. (Schluss)am

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