Wohnen: Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit

Trotz hoher Wohnzufriedenheit haben die Wiener Mieter kein Vertrauen in den Wohnungsmarkt.

Wien (OTS) - "Bei unserer soeben fertig gestellten Studie zu Rechtsicherheit, Wohnkosten und Nachbarschaftsverhältnissen von Mieterinnen und Mietern in Wien mussten wir feststellen, dass zwar die Wohnzufriedenheit ungebrochen hoch ist, dass aber dem Wohnungsmarkt nur wenig Vertrauen entgegengebracht wird. Eine deutliche Mehrheit der Wiener Bevölkerung glaubt, dass der Wohnungsmarkt derzeit für sie keine geeigneten oder leistbaren Objekte bietet. Kurz gefasst: Die, die eine Wohnung haben, sind glücklich. Die, die eine suchen, nicht", so Georg Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung Österreichs.

Wenig Vertrauen in Wohnungsmarkt

Das Vertrauen, am Wiener Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden, die den eigenen Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten entspricht, wird eher pessimistisch eingeschätzt.

Nur 5% glauben, dass das "leicht möglich" wäre, weitere 21% halten es für "eher schon möglich". 56% glauben dagegen, dass der Wohnungsmarkt derzeit für sie nichts Geeignetes und zugleich auch Leistbares zu bieten habe.

Besonders weit verbreitet ist diese eher pessimistische Einschätzung des Wohnungsmarktes bei Befragten unter 30 Jahren. Von ihnen halten es 41% "eher nicht" für möglich, eine entsprechende Wohnung zu finden und wei-tere 27% für "gar nicht möglich".

Realität und Traum passen in den wenigsten Fällen zusammen, zumal die unlängst publizierte Studie von SORA zur Wohnzufriedenheit und Wohnqualität in Wien ergeben hat, dass die Ansprüche an die Wohnungsgröße derzeit bei 40m2/Pax liegen. Diese Bedürfnisse bei den derzeit herrschenden hohen Wohnkosten zu realisieren, erscheint vielen unmöglich.

Die Mietervereinigung Österreich fordert daher:

- Regelung der Maklerprovisionen als Vermieteraufwand
Besonders betroffen von dieser Situation sind junge Mieter. Eine Novelle der Immobilienmakler-Verordnung zählt daher zu den allerdringlichsten wohnrechtlichen Forderungen. Immobilienmakler haben nach geltendem Recht den Anspruch auf eine Provision in der Höhe von drei Brutto-Monatsmieten (Mietzins inkl. Betriebskosten) zuzüglich 20% USt. Diese Regelung existierte bereits in den 70er-Jahren. Seit 1994 haben sich allerdings die Provisionen aufgrund der sehr stark gestiegenen Mieten mehr als verdreifacht und werden durch die Vielzahl von befristeten Mietverträgen immer öfter fällig. Dies führt zu eklatanten Ertragssteigerungen der Maklerbranche von bis zum Fünfzehnfachen(!) gegenüber der Situation von vor 15 Jahren.

Die Mietervereinigung Österreich fordert daher eine gesetzliche Regelung, welche dafür sorgt, dass Aufwendungen zur Vermarktung von Mietobjekten von den Vermietern selbst getragen werden. In jenen seltenen Fällen, bei denen ein Wohnungssuchender tatsächlich einen Makler mit der Suche nach einer geeigneten Mietwohnung beauftragt, fordert die MVÖ eine Begrenzung der Höchstprovision mit zwei Nettomonatsmieten.

- Abschaffung der Mietvertrags-Vergebührung

- Genaue rechtliche Festlegung der Zuschläge bei den Mietkosten

Im Jahr 1994 trat im Zuge des 3. Wohnrechtsänderungsgesetzes der Richtwertmietzins an Stelle der Kategoriemietzinse in Kraft. Eine exorbitante Explosion der Wohnkosten war die Folge. Heute liegen die Mieten um das Dreifache und mehr über dem Niveau von 1994. Ursache dafür sind die im Gesetz nur allgemein beschriebenen Zuschläge. Die Fantasie der Vermieter kennt dabei oftmals keine Grenzen. Die Palette reicht von Zuschlägen für "Küche mit Fenster" bis zu "Gegensprechanlage" oder "U-Bahn-Nähe". In der Praxis erleben Mieterschützer tagtäglich, dass Mieten, bei denen die Zuschläge in Summe einen höheren Betrag ausmachen als der Richtwert selbst, zur Norm geworden ist.

Die Mietervereinigung Österreich fordert daher eine gesetzliche Neuregelung des Zu- und Abschlagssystems:

  • taxative Aufzählung der zulässigen Zuschläge im Mietrechtsgesetz (MRG) sowie im Mietvertrag.
  • Streichung des Lagezuschlags.
  • Limitierung aller zur Anwendung kommenden Zuschläge mit 25% der jeweiligen Miete.

Äußerst hohe Wohnzufriedenheit in Wien

Die Wohnzufriedenheit ist bei allen MieterInnen - im Gemeindebau, in Genossenschaftswohnungen und in privater Miete - hoch.
Insgesamt sind 47% der befragten MieterInnen mit ihrer Wohnsituation "sehr zufrieden" und weitere 39% "eher schon zufrieden". Das zeugt von einer äußerst hohen Wohnzufriedenheit und bestätigt die Ergebnisse anderer Studien, die das Wohnen in Wien - im Vergleich zu anderen Themen und Lebensbereichen - als einen Bereich hoher Lebensqualität ausweist.

Die eigene Wohnung und die Wohnumgebung werden äußerst positiv bewertet. Der Anteil der wirklich Unzufriedenen liegt unter 5%. Ältere MieterInnen sind tendenziell etwas zufriedener als jüngere. Die "gute Lage", Grünflächen und Parks, sowie die ausgezeichneten Verkehrsanbindungen der meisten Wohngebiete werden am häufigsten als Faktoren genannt, die besonders zum "guten Wohnen" beitragen.

Störfaktoren: Lärm, hohe Miete und alte Wohnhäuser

Störfaktoren werden spontan nicht annähernd so häufig genannt, wie Faktoren, die zum "guten Wohnen" beitragen.
Unter den Störfaktoren, die doch genannt wurden, rangieren Lärmbelästigungen aller Art an erster Stelle: 11% nennen "Lärm durch Verkehr", weitere 8% "Lärm durch MieterInnen", 2% nennen noch einmal ausdrücklich "Kinderlärm".

Gutes Verhältnis zu den Nachbarn

Insgesamt werden die Nachbarschaftsverhältnisse gut bewertet. 86% der befragten MieterInnen beurteilen das Verhältnis zu ihren Nachbarn im Großen und Ganzen als "höflich" (44%) bis "freundschaftlich" (42%). 11% geben an, "gar kein Verhältnis" zu den Nachbarn zu haben und nur 1% beschreibt die Beziehungen als "konfliktträchtig".

Die guten Nachbarschaftsverhältnisse ziehen sich durch alle Altersgruppen, wobei die unter 30-Jährigen eher die Beschreibung "höflich" wählen. Wenn es zu Konflikten kommt, entstehen diese zumeist zwischen älteren und jungen Mietern oder Jugendlichen, zum Teil auch zwischen angestammten Mietern und Zuwanderern.

Jede/r Zweite glaubt über Mietrecht "gut" Bescheid zu wissen

Die überwiegende Mehrheit der Befragten nimmt für die Erstellung des Mietvertrages keine rechtliche Beratung in Anspruch. Nur rund ein Viertel der MieterInnen hatte bisher Konflikte mit der Hausverwaltung oder dem Vermieter auszutragen. In privaten Mietwohnungen kommt diese Art von Konflikt etwas häufiger vor.

11% der befragten MieterInnen behaupten von sich selbst, über ihre Rechte als Mieter "sehr gut" Bescheid zu wissen. Weitere 38% verfügen nach eigenen Angaben über "eher gute" Kenntnisse. Dass sie sich mit dem Mietrecht "gar nicht gut" auskennen, räumen 14% der Befragten ein. Der Rest (34%) spricht von "eher nicht so guten" Kenntnissen.

Im Streifall stellt sich jedoch oft sehr schnell heraus, dass die Komplexität des Mietrechts unterschätzt wird. In diesen Fällen greifen dann viele Mieterinnen und Mieter auf die Unterstützung der Mietervereinigung zurück.

Hoher Bekanntheitsgrad der Mietervereinigung

Die Mietervereinigung ist unter den Beratungsstellen die mit Abstand bekannteste Einrichtung. Spontan nennen die Mietervereinigung 38% der Befragten als Beratungsstelle. Bei älteren und formal besser gebildeten MieterInnen liegt der Bekanntheitsgrad bei 50%.

Beratung wird von MieterInnen in privater Miete am häufigsten in Anspruch genommen. Bei der "Rückforderung von Miete und Betriebskosten" besteht der dringendste Beratungsbedarf. Danach werden "Konflikte mit Vermieter oder Hausverwaltung" und die "Rückforderung von Ablösen" als Anlassfälle genannt, bei welchen eine Beratung als hilfreich erachtet wird.

Erhoben wurde die Studie von den Instituten TrendCom/Wien und Jaksch & Partner/OÖ im Juli 2009. Zielpopulation bei den 1.000 Telefoninterviews war die Wiener Bevölkerung ab 18 Jahren. Mieterinnen und Mieter von privaten Mietwohnungen sowie Gemeinde- und Genossenschaftsbauten und wurden im Verhältnis 40:30:30 befragt.

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