ARBÖ: Verkehr hat Kioto-Hausaufgaben gemacht

Mit Fakten gegen die fünf häufigsten Kioto-Märchen

Wien (OTS) - Klimaschutz ist wichtig und jeder Bereich muss seinen Beitrag dazu leisten, stellt der ARBÖ vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen fest: "Der Verkehr im Inland hat in den letzten Jahren wesentliche CO2-Einsparungen erreicht und Länge mal Breite dafür gezahlt. Allein 2008 und 2009 wurden mindestens 2,6 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich eingespart." Doch diese Erfolge konnten sich in der jetzt diskutierten Kioto-Bilanz noch nicht auswirken, die sich ja auf alte Zahlen aus dem Jahr 2007 bezieht, bedauert der ARBÖ.

Gestützt auf Zahlen des Umweltbundesamtes versucht der ARBÖ, die fünf häufigsten Märchen in der aktuellen Kioto-Debatte zu entkräften:

* Märchen Nummer 1: Österreich verfehlt als einziges EU-Land das Kioto-Ziel.
Falsch. Die Kioto-Periode beginnt 2008 und geht bis inklusive 2012. Es zählt nicht das erste Jahr, sondern die ganze Periode. Erst Ende 2012 wird man sehen, ob das Ziel erfüllt wird oder nicht. Bisher hat Österreich nur die alten Zahlen aus dem Jahr 2007 nach Brüssel gemeldet, also für das Jahr vor Beginn der Kioto-Periode. Neuere Zahlen gibt es nicht. Noch dazu hat Österreich den ungeschminkten Status gemeldet und steigt deswegen schlechter aus als andere Staaten, die zugekaufte CO2-Emissionen abgezogen haben. Außerdem wurden nur 15 EU-Länder verglichen und nicht alle 27 Staaten.

* Märchen Nummer 2: Pkw-Verkehr ist Hauptursache von Treibhausgasen. Falsch. Industrie und Gewerbe sind die Hauptverursacher mit 29% Anteil, gefolgt von der Energieaufbringung mit 16% und Kleinverbrauch mit 12,6%. Erst auf Platz vier kommt der Pkw im Inland mit 12%.

* Märchen Nummer 3: Im Verkehr tut sich klimamäßig nicht viel. Falsch. Die Autofahrer im Inland haben ihre Kioto-Hausaufgaben gemacht. In den letzten fünf Jahren wurden Autofahrer im Namen der Umwelt mehrmals und nachhaltig zur Kassa gebeten: 2 Mal Mineralsteuererhöhung, 2 Mal NoVA-Verschärfung, in drei Schritten biogene Zumischungen zum Treibstoff. Das Ergebnis in den Jahren 2008 und 2009 kann sich sehen lassen: C02-Austoß der neuen Pkw ist 2008 ruckartig auf 157g/km gesunken, heuer lagen schon stolze 71% der Pkw-Zulassungen beim CO2-Ausstoß unter 160g/km. Es wird seit zwei Jahren weniger gefahren und neue Diesel Pkw haben zu über 90 Prozent einen Dieselpartikelfilter.

* Märchen Nummer 4: Die Kioto-Bilanz zeigt den echten Zustand unserer Luftqualität.
Falsch. Die jetzt diskutierte Kioto-Bilanz Österreichs ist nicht nur alt, sondern auch noch durch den sogenannten "Tankexport" extrem verzerrt. Denn: CO2 Emissionen des Verkehrs werden nie gemessen, sondern immer nur hochgerechnet. Dabei zählt der in einem Land verkaufte Treibstoff und nicht der tatsächlich verfahrene. In Österreich werden aber 30 Prozent - ein stolzes Drittel - der Treibstoffmenge im Ausland verfahren. Alle, die vor der Grenze noch auftanken, um nach Italien oder Deutschland zu fahren, belasten zwar nicht Österreichs Luft. Trotzdem werden diese Emissionen zur heimischen Kioto-Bilanz dazugezählt. Dieser "Tankexport" macht stolze 7,2 Mio. Tonnen CO2 aus!

* Märchen Nummer 5: Man löst das Problem durch eine höhere Mineralölsteuer im Inland.
Falsch. Dümmer geht es nicht. Wieso sollen die Menschen im Inland zur Kassa gebeten werden, nur damit künftig im Ausland getankt wird? An der Luftqualität ändert sich rein gar nichts, denn der Luft ist es egal, ob das CO2 in der deutschen, österreichischen oder italienischen Statistik gebucht wird. Und Österreich würde Steuereinnahmen von mindestens 1,1 Milliarden verlieren (jedes Jahr!), die jetzt durch den Tankexport hereinfließen. Mit dem Geld könnte man sehr viel für echte Umweltmaßnahmen tun.

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