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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kein Platz für Überraschungen" (Von Michael Sprenger) Ausgabe vom 3.12.2009

Innsbruck (OTS) - Kanzler Werner Faymann pflegt sein Image als Pragmatiker.

Für Überraschungen ist Werner Faymann nicht zu haben. Daran konnte auch die große Erwartungshaltung, die vor seiner Jubiläumsrede seines ersten Kanzlerjahres in der Hofburg vorhanden war, nichts ändern. Faymann sieht sich als Pragmatiker.
Wer also eine solide Rede erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht. Wer einen Abriss des ersten Jahres seiner Kanzlerschaft hören wollte, wurde nicht enttäuscht. Wer eine klare Absage an Fremdenfeindlichkeit hören wollte, wurde nicht enttäuscht. Wer auf politische Kontinuität baut, wurde mit Faymanns Ausblick auf die künftige Regierungsarbeit nicht enttäuscht. Faymann hat sich dafür entschieden, im barocken Ambiente des prächtigen Festsaals keine Angriffspunkte zu liefern. Wäre es Faymanns Ansinnen gewesen, die Themenführerschaft zurückzuerobern, hätte er andere Schwerpunkte in seiner Rede setzen müssen. Er hat sich dafür entschieden, seinen eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten. Keine großen Sprünge, sondern kleine Schritte. Mehr Ganztagsschulen, aber kein Umbau des Schulsystems.
Die Rede des Kanzlers sorgt so sicher nicht für einen Konflikt mit dem Koalitionspartner. Und die Parteifreunde, die sich mehr Ecken und Kanten erwartet haben, mussten sich mit der Betonung von bekannten Forderungen nach Begrenzung von Managergagen und einer Finanztransaktionssteuer und der neuen Ankündigung eines Generationenfonds zufriedengeben.
Nein, der Kanzler und SPÖ-Vorsitzende ist kein Visionär. Er baut auf Zeit und darauf, mit Pragmatismus zu punkten. Für programmatische Ansagen und für Überraschungen ist da kein Platz.

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