WirtschaftsBlatt-Leitartikel: 2010 ist nicht das Problem - von Hans-Jörg Bruckberger

Während wir aufatmen, bilden sich schon die nächsten Blasen

Wien (OTS) - Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu, wir können es schon abhaken. In die Geschichte wird es als jenes eingehen, das zwar wirtschaftlich extrem schwierig war, aber doch auch wieder beruhigend. Immerhin sind wir mit den allerschlimmsten Befürchtungen in dieses Jahr gestartet: Die Börsen waren im freien Fall, Banken, ja ganze Staaten wurden für pleite erklärt, die Rezession nahm immer dramatischere Ausmaße an. Tatsächlich hat sich dann alles erholt, die Welt ist nicht untergegangen und die Hoffnung lebt.

Freilich steht alles noch auf wackligen Beinen. Umso mehr sind sich Experten weitgehend einig, dass 2010 ein Schlüsseljahr wird: nach wie vor schwierig, aber doch mit einer gewissen Aufwärtstendenz. Danach wird die Weltwirtschaft wieder auf den Wachstumspfad zurück finden, so der Tenor. Jedenfalls werde sich 2010 zeigen, wie es weiter geht. Auch Kanzler Werner Faymann blickt mit Sorge aufs kommende Jahr.

Viel mehr sorgen sollte er sich aber über das, was danach kommt. Wir sehen viele Entwicklungen kritisch, und die wenigsten davon werden schon 2010 auftreten. Inflation ist wohl - noch - kein Thema, Konjunkturprogramme werden der Wirtschaft weiter "künstliches" Wachstum zuschanzen. In diese Richtung argumentiert auch der Deutsche Bank-Experte Norbert Walter. Die Börsen werden, trotz wahrscheinlicher Korrekturen, im Großen und Ganzen wohl noch weiter durch Liquidität getrieben. Für Letztere werden auch die Notenbanken sorgen, so wie kürzlich in Japan.

Die Frage ist: Was kommt danach? Wenn das Pulver der Notenbanken verschossen ist oder die Zinsen wieder steigen. Wenn es darum geht, die Schuldenberge abzubauen. Und: Wenn die eine oder andere Blase platzt, die sich jetzt gerade bildet.

Carry Trades - Spekulanten nehmen Kredite in einer niedrig verzinsten Währung auf und legen das Geld in Höherverzinslichem an - florieren nämlich schon wieder. Vor der Krise wurden Carry Trade-Kredite vor allem in Yen aufgenommen, jetzt ist es der US-$. Investiert wird in Devisen, Rohstoffe, Aktien oder auch (asiatische) Immobilien. Dies fördert die Blasenbildung in den betreffenden Anlageformen. Gold notiert bereits auf Rekordhoch, Öl über dem fundamental gerechtfertigten Wert. In Ländern wie China oder Singapur schießen die Immopreise in die Höhe und die aktuell gefährlichste Blase bildet sich bei vermeintlich "sicheren" Staatsanleihen.

All das ist aber nicht nachhaltig und hat ein Ablaufdatum - das nicht zwingend 2010 sein muss. Derweil ist weiter höchste Vorsicht geboten.

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