Deutscher Wirtschaftsvertreter Schleyer: Handwerker-Bonus und thermische Sanierung kurbeln Wachstum an

WKÖ-Leitl: "Effektive Maßnahme zur Förderung der Beschäftigung und Bekämpfung der Schwarzarbeit - und kostenneutral für den Finanzminister"

Wien (OTS/PWK939) - "Wir sind in Österreich immer bestrebt von
den Besten zu lernen: von den Finnen in der Bildungspolitik, von den Schweden in der Pensionspolitik, von den Dänen bei Beschäftigung und Reformen am Arbeitsmarkt und von unseren deutschen Nachbarn eben in der Konjunkturpolitik", erklärte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Freitag anlässlich einer Präsentation des deutschen Modells des Handwerkerbonus durch Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Einführung des Handwerkerbonus in Österreich stellt neben der thermischen Sanierung und der Investitionszuwachsprämie einen zentralen Punkt des maßgeschneiderten WKÖ-Wachstumspaketes dar, auf das die Wirtschaft angesichts der gedämpften Prognosen für 2010 und der steigenden Arbeitslosigkeit setzt.

"Der Steuerbonus, den wir im Rahmen der Wachstumsgesetze seit 2003 in Deutschland umgesetzt haben, hat sich als äußerst erfolgreiche Maßnahme für den Bereich Bau und Ausbau erwiesen, nicht nur in konjunktureller Hinsicht, sondern auch bei der Bekämpfung der Schwarzarbeit", betonte Schleyer. Aufgrund der positiven Auswirkungen auf Umsatz und Beschäftigung wurden die Steuererleichterungen 2009 für das Handwerk sogar auf 1.200 Euro pro Haushalt und Jahr verdoppelt.

Nach aktuellen Berechnungen konnte die Schwarzarbeit in Deutschland durch diese Maßnahme um 7,8 Mrd. Euro, das entspricht rd. 2,2 Prozent der Schwarzarbeit, reduziert werden und brachte dem Finanzminister geschätzte 800 Mio. Euro - 1,7 Mrd. Euro an Mehreinnahmen, betonte Dominik H. Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: "Im Kampf gegen die Schwarzarbeit gibt es zu einem steuerlichen Anreizmodell keine Alternativen. Studien haben bewiesen, dass schärfere Kontrollen letztlich mehr kosten als sie bringen." Zu den Auswirkungen auf den Staatshaushalt bemerkte Enste, dass das Faktum der Verdoppelung des Steuerbonus zeige, dass das Modell auch aus Sicht der Staatsfinanzen positiv ist.

Abseits der positiven Effekte auf die Eindämmung der Schwarzarbeit seien auch die wirtschaftlichen Auswirkungen beachtlich, führte Schleyer aus: So brachte die Steuererleichterung laut einer repräsentativen Umfrage des ZDH eine Umsatzsteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent bei den befragen Unternehmen. Gemeinsam mit der steuerlichen Erleichterung bei der energetischen Gebäudesanierung habe der Handwerker-Bonus, trotz Krise, zu einem wahren Boom im Bereich Bau und Ausbau geführt.

Analog zum deutschen Modell sollen auch in Österreich Handwerkerrechnungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten im Haushalt als Absetzbetrag von der Steuerlast abgezogen werden können. Bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro sollen 20 Prozent der Arbeitskosten absetzbar sein -maximal also 1.200 Euro. Laut Berechnungen von Univ.Prof. Friedrich Schneider wird die Schwarzarbeit heuer auf 20,5 Milliarden Euro ansteigen. Durch einen Handwerkerbonus würde bei einer unterstellten Abgabenbelastungsquote von 40 Prozent "der Finanzminister zwischen 400 und 500 Mio. Euro zusätzlich einnehmen, sodass er netto zwischen 70 und 170 Mio. Euro an dieser Maßnahme verdienen würde".

Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungs-Institutes (WIFO) kommt zum Schluss: "Umgelegt auf die illegalen Aktivitäten in der Bau- und Reparaturwirtschaft in Österreich (geschätztes Volumen 8 Mrd. Euro) kann mit einem Legalisierungseffekt von 4 bis 7 Prozent gerechnet werden." Und es heißt weiters: "Nimmt man unter Unsicherheit alle Szenarien als gleich wahrscheinlich an (Laplace-Methode) erhält man einen durchschnittlichen Fiskalsaldo von plus 4,5 Millionen Euro - also eine schwarze Null."

"Der Handwerkerbonus wäre also sowohl ein Beitrag zur Förderung der Beschäftigung als auch zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Und er wäre für den Finanzminister kostenneutral, wenn nicht sogar ein gutes Geschäft", betonte Leitl: " Wir können uns über Schwarzarbeit beklagen, wir können sie ignorieren, durch Kontrollen bekämpfen - was sich als nicht effektiv erwiesen hat - oder eben Anreize schaffen", zeigt sich Leitl mit Blick auf die deutschen Ergebnisse von dem Modell Handwerker-Bonus überzeugt. Eine der größten Herausforderungen für das Jahr 2010 laute: Wie können wir Wachstum und Beschäftigung miteinander verbinden, ohne dass die Staatsschulden steigen. Mit dem WKÖ-Wachstumsmodell und dem zentralen Punkt des Handwerker-Bonus leistet die Wirtschaft ihren konstruktiven Beitrag in dieser Frage", so Leitl abschließend. (ES)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: T:(+43) 0590 900-4362, F:(+43) 0590 900-263
presse@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0007