Information zur Pressekonferenz: Oberösterreichs Industrie fordert vehement Kunststofftechnik-Masterstudium in Linz

Wien (OTS) -

  • Österreichs Kunststoffindustrie braucht jährlich mindestens rd. 100 Absolventen
  • Alleine 50% davon benötigt die OÖ Industrie
  • Neues Kunststofftechnikstudium in Linz hat bereits bei Beginn rund 100 Inskripienten
  • Oberösterreichs Industrie warnt vor Skandal in der universitären Bildungspolitik
  • Linz wird gegenüber Leoben benachteiligt
  • Studenten werden gezwungen für weiterführendes Studium das Bundesland zu wechseln

Namhafte Vertreter der OÖ Kunststoffindustrie fordern vehement eine Entscheidung von Bildungsminister Johannes Hahn für den Universitätsstandort Linz. Das Wissenschaftsministerium finanziert im Gegensatz zur Uni Leoben nur ein Bachelorstudium und keine weiterführende Masterausbildung erklären OÖ führende Industrievertreter bei einer Pressekonferenz des Kunststoff-Clusters am Freitag in Wien. Die Ausgangssituation Rund 220 Kunststoffunternehmen in OÖ beschäftigen derzeit ca. 34.000 Mitarbeiter. Der Umsatz der österreichischen Kunststoffunternhemen beträgt in etwa 13 Mrd. Euro. Die OÖ Betriebe erwirtschaften davon rd. 6,7 Mrd. Euro. Die Kunststoffindustrie in Österreich benötigt mindestens 100 Kunststoffabsolventen pro Jahr und universitäre Forschungsleistung, um einen Gesamtumsatz von ca. 12 Mrd. Euro, davon 400 Mio. Euro für F&E jährlich, langfristig steigern und nachhaltig absichern zu können. Der Bedarf der Industrie an Absolventen in OÖ beträgt dabei alleine 50%. Die Verbesserung der Rahmenbedingen, insbesondere der Ausbau der JKU im Bereich der Kunststoffe, führte zur strategischen Entscheidung der Firma Borealis, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nach Linz zu verlegen, was mit einer zusätzlichen Beschäftigung von mehr als 100 Mitarbeitern verbunden war. Ein weiterer Ausbau ist zurzeit in Diskussion. "In der Steiermark hat es in den vergangenen sieben Jahren jährlich nur rund 15 bis 20 Master-Absolventen gegeben. Die Kunststoffindustrie brauche aber bundesweit 100 Fachkräfte", so Karl Rametsteiner, Beiratsvorsitzender des Kunststoff-Clusters. OÖ Industrie fordert Entscheidung für Standort Linz Oberösterreichs Industrievertreter und die Industriellenvereinigung OÖ fordern daher eine rasche Entscheidung des Bildungsministers für den Standort Linz. "Wenn der Master nicht nach Linz kommt, ist das ein Skandal. Die Industrie des wirtschaftsstärksten Bundeslandes hätte da eindeutig das Nachsehen", warnt Greiner-Vorstand Axel Greiner. Erfahrungsgemäß bleiben viele der Studierenden nach ihrer Ausbildung am Studienort. "Genau dieses Faktum stellt für Oberösterreich einen massiven Know-How Verlust dar der unwiederbringlich ist", stellt Peter Untersperger, CEO der Lenzing AG und Obmann der Wirtschaftskammer Österreich, im Fachverband der Chemischen Industrie, fest. Mit dem Anziehen der Rohstoffpreise ist auch das Tal in der Kunststoffindustrie nach und nach durchschritten. Umso mehr braucht die Industrie den so dringend benötigten Nachwuchs an ausgebildeten Fachkräften. OÖ Industrie benötigt Forschungsinfrastruktur vor Ort Oberösterreich ist das Industriebundesland Nr. 1 in Österreich. 25 Prozent der industriellen Wertschöpfung und 27 Prozent der Exporte Österreichs kommen aus Oberösterreich. Die aktuelle Erhebung der Statistik Austria über die F&E-Ausgaben in Österreich zeigt, dass 90 Prozent der Forschungsmittel in Oberösterreich vom Unternehmenssektor und damit zum überwiegenden Teil von der Industrie investiert werden. Gleichzeitig erhält die Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz nur 3,96 Prozent des Bundes-Universitätsbudgets. In Summe entfallen auf Oberösterreichs Universitäten nur 4,6 Prozent aller Budgetmittel für Österreichs Universitäten. Im Vergleich dazu erhalten Tirol 12 Prozent, die Steiermark rund 20 Prozent und Wien 54 Prozent. "Die OÖ. Industrie braucht, um am Standort auch in Zukunft erfolgreich zu sein, hochqualifizierte Mitarbeiter und entsprechende universitäre Forschungsinfrastruktur vor Ort. Ansonsten droht mittelfristig eine neue Verlagerungswelle in Regionen mit entsprechenden Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund kämpft die Industrie seit Jahren um den Ausbau der JKU insbesondere im technisch-naturwissenschafltichen Bereich. Ein moderner, zukunftsorientierter Industriestandort benötigt heute und in Zukunft ein entsprechend ausgebautes universitäres Umfeld", betont IV OÖ Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. "Von einer starken JKU profitiert die OÖ. Industrie und damit ganz Österreich". Kunststoff ist ein echtes Stärkefeld der OÖ. Industrie. Von 364 Kunststoffbetrieben befinden sich 220 in Oberösterreich. "In Zeiten von Studentenprotesten aufgrund von Problemen in den "Massenstudien" ist es nicht nachvollziehbar, warum in einem universitären Nischenbereich mit ausgeprägtem Mangel an Absolventen ein sachlich nicht nachvollziehbarer Streit entstanden ist. Eine Stärkung der Kunststoffkompetenz an der JKU führt nicht zu Nachteilen für die Montanuniversität Leoben. Der Bedarf an Lehre und Forschung im Kunststoffbereich übersteigt das bisherige Angebot deutlich", so Haindl-Grutsch weiter. Studenten werden gezwungen Bundesland zu wechseln Borealis Forschungschef, Alfred Stern verweist dazu auf die enge Kooperation der Linzer Uni mit der OMV-Tochter Borealis, die 3 Mio. Euro für das seit diesem Jahr angebotene Kunststofftechnikstudium zur Verfügung stellt. "Auch in der Zukunft ist davon auszugehen, dass weiterhin Bedarf an Fachkräften bestehen wird, die selbst europaweit nur schwer zu finden seien", so Stern. Diese Lücke soll mit dem Studium nun geschlossen werden. "Da nutzt es wenig, ein Bachelorstudium in Linz zu etablieren und den so wichtigen Masterabschluss in ein anderes Bundesland zu verlegen. Das kann nicht im Sinn der Studierenden sein und kommt einer Missachtung der Industrieanforderungen gleich," so Stern. Diese Vorgangsweise ist für OÖ Industrie mehr als befremdlich. Keine Institution hat Anspruch auf Alleinstellung, noch dazu sind die Kunststoffinstitute in Linz eingebettet in ein Umfeld der technisch-naturwissenschaftlichen Fakultät (TNF) unter enger Zusammenarbeit mit den Spitzenforschern der Mechatronik. Der Vorwurf, Linz kopiere Leoben, ist daher absurd. Aber mit dem drohenden Verlust weiterer Drittmittel aus dem Wachstumsmarkt Kunststofftechnik zu erklären. Die Kunststoffindustrie in Österreich gibt jährlich eine halbe Milliarde Euro für Forschung aus. Die Hälfte der gesamten österreichischen Kunststoffindustrie ist in OÖ angesiedelt. Hintergrundinfo: Bei der Kunststofftechnik hatte die Universität Leoben bisher Monopolstellung. Das Polymere Competence Center Leoben (PCCL) war Zentrum der Kunststofftechnik-Forschung. Viele oberösterreichische Betriebe waren Partner des PCCL. Doch der Industrie ging in Leoben zu wenig weiter. Borealis etwa bot Leoben und Linz gleichermaßen Unterstützung für den Fall an, dass die Kunststofftechnik ausgebaut würde. Denn die Kunststoffbranche in Österreich bräuchte pro Jahr 100 Fachkräfte mit Universitätsabschluss, die Universität Leoben brachte aber nur 15 bis 20 hervor. Die JKU baute in Linz mit Unterstützung des Landes die Universität in diese Richtung aus und der renommierteste Professor Leobens für dieses Fachgebiet, Reinhold Lang, wechselte nach Linz. Etliche Unternehmen, darunter Borealis, aber auch die Universität Linz, stiegen aus dem PCCL aus und bemühen sich um eigene Forschungsprojekte. Dies wird in Leoben quasi als eine Mischung aus unlauterem Wettbewerb und Majestätsbeleidigung betrachtet. Offenbar soll verhindert werden, dass Linz neben dem Bachelor-Studium auch noch ein weiterführendes Master-Studium anbietet. Auch die Unterstützung durch den Bund für Linz soll so gering wie möglich gehalten werden. Dabei geht es um zwölf Millionen Euro. Rückfragehinweis:

Kunststoff-Cluster
Karl Rametsteiner
Beiratssprecher Kunststoff-Cluster
Hafenstr. 47-51
A-4020 Linz
Tel.: +43/732 79810 5115
www.kunststoff-cluster.at

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