Wissenschaftsrat legt umfassende Empfehlungen zur Entwicklung der Hochschulen und der Forschung in Österreich vor

Wien (OTS) - Wissenschaftsrat fordert einen verbindlichen Hochschulfinanzierungspfad, eine bessere Abstimmung zwischen Universitäten und Fachhochschulen, eine von den Universitäten getragene Fächerbereinigung, aber keine Schließung oder von oben verordnete Zusammenlegung von Universitäten.

Die heute veröffentlichte 250seitige Empfehlung "Universität Österreich 2025 - Analysen und Empfehlungen zur Entwicklung des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftssystems" soll als Grundlage für strategische Überlegungen zu einem leistungsfähigen tertiären Bildungssystem dienen. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung der Universitäten ist eine zentrale Forderung des Wissenschaftsrates die gesetzliche Verankerung eines "Hochschulfinanzierungspfades", ausgerichtet an den vom Gesetzgeber beschlossenen 2 Prozent des BIP für den tertiären Bildungssektor mit einem Zeithorizont bis 2020. Das sind nach Berechnungen des Wissenschaftsrates jährlich 200 Mio. Euro zusätzlich für den tertiären Bildungsbereich.

"Es geht jedoch nicht nur um Geld, sondern auch um entscheidende hochschulpolitische Weichenstellungen. Zu diesen gehören: Ein System ausfinanzierter Studienplätze, eine für die Qualität von Forschung und Lehre unabdingbare Einführung von Zulassungsregelungen, die Befriedigung eines hohen Investitions- und Reinvestitionsbedarfs im Infrastrukturbereich und die Stärkung der Grundlagenforschung im österreichischen Wissenschaftssystem", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Jürgen Mittelstraß. Weitere Grundsatzempfehlungen betreffen die Fortentwicklung der Universitätsautonomie und die Entwicklung einer klaren Internationalisierungsstrategie, ferner die Klärung des Status der Pädagogischen Hochschulen und die Rückführung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in die Universitäten.

Mit seinen Empfehlungen gibt der Wissenschaftsrat, der als Beratungsgremium des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung, der Universitäten und des Parlaments eingerichtet wurde, auch eine konzeptionelle Antwort auf die Studentenproteste der letzten Wochen. Vor dem Hintergrund der von Bundesminister Hahn am 25.11.09 gestarteten Hochschulpartnerschaft sowie der beabsichtigten Erarbeitung eines Hochschulplans in den nächsten Jahren ist es das Ziel der Empfehlung, der Wissenschafts- und Hochschulpolitik und den wissenschaftlichen Einrichtungen ein klares Konzept zur weiteren Entwicklung des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftssystems an die Hand zu geben.

Die Empfehlung widmet sich sieben thematischen Schwerpunkten: Ein erstes Kapitel stellt die Hochschulentwicklung in Österreich und deren gesetzliche Grundlagen seit 1975 dar. Ein zweites Kapitel erläutert das für die weitere Entwicklung maßgebende Prinzip der Hochschulautonomie, bevor in einem dritten Kapitel das österreichische Hochschulspektrum und in einem vierten Kapitel das entsprechende Fächer- und Disziplinenspektrum in analytischer und empfehlender Absicht dargestellt werden. Weiters befasst sich der Wissenschaftsrat mit dem Verhältnis zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung sowie mit der Forschungsförderung, insbesondere dem FWF und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der siebte Schwerpunkt betrifft die Einbettung der Überlegungen zu einem hochschulpolitischen Entwicklungskonzept in einen internationalen Kontext. In 11 zentralen Empfehlungen, die in allen Reformschritten der nächsten Jahre Berücksichtigung finden sollten, fasst der Wissenschaftsrat seine Analysen und Teilempfehlungen zusammen.

Anlässlich der Veröffentlichung der Empfehlung veranstaltet der Wissenschaftsrat eine Tagung mit hochkarätigen internationalen Sprechern aus Hochschulpolitik und Hochschulforschung. Vor dem Hintergrund der Vorhaben und Erfahrungen anderer europäischer Staaten sollen Lösungsoptionen für Österreich im Kontext der Empfehlung des Wissenschaftsrates diskutiert werden.

Hinweis: Den vollen Text der Empfehlung lesen Sie auf der Homepage des Wissenschaftsrats: www.wissenschaftsrat.ac.at, unter Empfehlungen/Stellungnahmen.

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