"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Problem der Männer" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 26. Norvember 2009

Innsbruck (OTS) - Wer Gewalt an Frauen eliminieren will, muss bei den Männern ansetzen.
Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, denen eines gemeinsam ist:
Sie gehören Männern - und zwar Männern aus allen Bildungsschichten sowie sozialen und religiösen Milieus. Es sind Männer, die sich auf religiös-kulturelle Traditionen oder auch nur auf das archaische Recht des Stärkeren berufen und verlassen, wenn sie Frauen in ihrer sexuellen, physischen und psychischen Integrität verletzen, misshandeln, quälen.

Das reicht von der Verstümmelung der Genitalien muslimischer Frauen bis hin zum braven mitteleuropäischen Katholiken, dem ab und zu die Hand ausrutscht. Von der systematischen Vergewaltigung von Frauen in Kriegen auf der ganzen Welt bis hin zum Tiroler Stammtischbruder, der einer Kellnerin kernig auf den Hintern haut. Vom Ehrenmord an und der zwangsweisen Verheiratung von Frauen bis hin zu sexistischen Verunglimpfungen von Frauen, die gewiss ja meinen, wenn sie nein sagen. UNO-Angaben zufolge sind bis zu 70 Prozent aller weiblichen Menschen zumindest einmal im Leben männlicher Gewalt ausgesetzt und die allermeisten davon erleiden diese Gewalt nicht von dem perversen Unbekannten, der ihnen in einer dunklen Ecke auflauert, sondern vom Vater, Partner, Bruder.

Dass in einem Land wie Österreich Hunderte Frauenhausplätze fehlen und bestehende Einrichtungen ständig ums Überleben kämpfen, ist ein unhaltbarer Zustand. Strukturelle Probleme lösen sich jedoch nicht durch notfallmäßige Symptombekämpfung. Tatsächlich ist Gewalt an Frauen ein Männerproblem. Wer es aus der Welt schaffen will, muss dieses Weltbild ändern, das Männern die Verfügungsgewalt über Frauen zugesteht und Frauen mithin ihre Menschenrechte abspricht.

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