Diözese St. Pölten: "Heilungsprozess" ist noch im Gange

Bischof Küng zog Zwischenbilanz über fünf Jahre an der Spitze der Diözese und den von ihm eingeleiteten Erneuerungsprozess

St. Pölten, 25.11.2009 (KAP) "Wir befinden uns in einem Heilungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist": Mit diesen Worten zog der St. Pöltener Bischof Klaus Küng am Mittwoch bei einem Pressegespräch Zwischenbilanz über sein fünfjähriges Wirken an der Spitze der Diözese. Seine Amtseinführung am 28. November 2004 und die vorhergehende Ernennung am 7. Oktober waren nach heftigen Turbulenzen in der Diözese erfolgt, ausgelöst vor allem durch Vorgänge im Priesterseminar, die inner- und außerkirchlich als skandalös eingestuft wurden. Der als "Krisenmanager" aus Feldkirch geholte Bischof Küng kündigte mit seinem Amtsantritt einen "völligen Neuanfang" an.

2005 setzte Küng mit dem späteren Weihbischof Anton Leichtfried einen neuen Regens im Priesterseminar ein. In "Zukunftskonferenzen" berieten Dechantenkonferenz, Priesterrat, Pastoralrat und Laien aus den Pfarren den künftigen Weg der Diözese. Inzwischen sei "dieser Prozess in vollem Gang", heißt es in einer Aussendung der Diözese dazu: Dekanate wurden neu geordnet, Pfarrverbände sollen die Zusammenarbeit kleinerer Pfarren stärken. Neue Initiativen, vor allem im Bereich Familie, wurden gesetzt. "Ein wahrer Aufbruch wird nur gelingen, wenn er von allen vollzogen wird", schreibt Bischof Küng dazu in seinem Beitrag im neuesten Diözesanjahrbuch.

Er selbst sehe sich in seinen Bemühungen in den vergangenen Jahren auch "als Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen", sagte Küng beim Pressegespräch: Der Weg der Kirche sei "wie eine breite Straße, auf der sich mancher mehr rechts oder mehr links bewegen" könne. Dennoch gebe es "auf beiden Seiten Randsteine, die zu beachten sind", so der Bischof. Insgesamt sei ein gutes Gesprächsklima entstanden.

Neue Arten von Seelsorge nötig

Nach einer Phase der Analyse erfolge nun die "mühsame Kleinarbeit". Bei den Pfarren und Pfarrverbänden stehe man noch "vor ganz großen Änderungen", kündigte der Bischof an. Die heutige Leistungs- und Konsumgesellschaft erfordere auch eine pastorale Neukonzeption: "Es wird neue Arten der Seelsorge über die Pfarrseelsorge hinaus geben." Die Kirche werde auch weiterhin territorial konzipiert sein, müsse aber heute "großräumiger agieren". Laut Küng werden Klöster und andere geistige Zentren, wie etwa Wallfahrtsorte, an Bedeutung gewinnen: "Menschen suchen zunehmend eine geistige Heimat." In diesem Zusammenhang verwies der Bischof auf den Abschluss der Renovierung des Wallfahrtsortes Maria Taferl, der im kommenden Jahr sein 350-Jahr-Jubiläum feiern wird.

Große Sorge bereite der Priestermangel, den Bischof Küng letztlich auf einen "Gläubigenmangel" zurückführt. Küng gibt sich aber zuversichtlich, dass der künftig wie mehr Menschen für den Glauben und Kirche gewonnen werden können. Bei vielen wachse die Unzufriedenheit und die "Sehnsucht nach einem anderen Leben".

Das Christentum sei "gerade für jene Menschen da, die Probleme haben", unterstrich der Bischof. Die politische Entscheidung, dass homosexuellen Paaren eine eingetragene Partnerschaft gewährt werde, sei für ihn jedoch eine Fehlentscheidung. "Bei allem Respekt vor Personen, die eine homosexuelle Neigung haben, hat der Staat die Aufgabe, der Familie die nötige Sicherstellung zu geben, die sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben braucht", betonte Küng: "Die Grundlage einer jeden Gesellschaft sind nun einmal die Kinder."

"Fünf Jahre sind eine lange, aber auch ein kurze Zeit", sagte der Bischof im Rückblick auf seine bisherige Amtszeit. Für Heimweh nach Vorarlberg hätte er keine Zeit. Zu seiner neuen Diözese sei "eine echte Beziehung entstanden, in der ich Land und Leute liebgewonnen habe". Positiv überrascht sei er über die zunehmende Anteilnahme vieler Menschen am kirchlichen Leben und die Bemühungen vieler um den Glauben.

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