"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Es geht auch um das soziale Klima" (Von Gabriele Starck)

Ausgabe vom 25. November 2009

Innsbruck (OTS) - Je länger wir mit der CO2-Reduktion warten,
desto mehr werden die Maßnahmen uns allen weh tun.

Panikmache und Hysterie: Immer häufiger werden Klimaprognosen, wie sie gestern präsentiert wurden, abgetan. Vielleicht ist man der Horrorszenarien, die den Untergang der Menschheit vorhersagen, ja wirklich schon überdrüssig. Doch warum verschließen wir Ohren und Augen: Ist es die Angst davor, dass nichts mehr so sein wird, wie es ist? Das Grauen, dass wir selbst daran schuld sind? Die Überzeugung, dass es uns persönlich ohnehin nicht betreffen wird? Oder die Hoffnung, dass es doch anders kommt als prognostiziert - etwa durch unvorhergesehene Ereignisse, die nicht in die Modelle einbezogen wurden? Letzteres wäre zwar ein Ausweg, jedoch kein beruhigender -im Gegenteil. Denn um die Erderwärmung jetzt noch ohne Selbstbeschränkung zu stoppen, würde es natürliche oder menschliche Katastrophen benötigen. Doch die hätten noch Ärgeres zur Folge - egal ob Meteoriteneinschlag, 100 Vulkanausbrüche, die den Himmel verdunkeln und so für Abkühlung sorgen, oder Kriege und der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft.

Je länger mit Maßnahmen zur CO2-Reduktion gewartet wird, desto wahrscheinlicher werden letztere Szenarien. Hierzulande wird niemand im steigenden Meeresspiegel ertrinken. Doch die Flucht von Millionen von Menschen vor Dürre oder versunkenen Landstrichen birgt sozialen Sprengstoff nie dagewesenen und globalen Ausmaßes. So gesehen ist es besser, schnell zu handeln, auch wenn es ohne schmerzhafte Eingriffe schon jetzt nicht mehr abgeht. Dafür steigt aber auch die Motivation, zukunftsträchtige Technologien ohne Emissionen zu entwickeln und diesen auch zum Durchbruch zu verhelfen.

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