"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: Jetzt muss die Arbeit beginnen (Von Wolfgang Sablatnig)

Ausgabe vom 20.11.2009

Wien (OTS) - Die Merkels, Sarkozys und Browns müssen zulassen,
dass die Neuen an der EU-Spitze erfolgreich sind.

Das beherrschende Thema waren zuletzt Personalspekulationen. In Österreich sowieso, wo sich die Koalition ein erbärmliches Schauspiel lieferte, bis sie mit Johannes Hahn den kleinsten gemeinsamen Nenner als EU-Kommissar gefunden hat. Aber auch in Europa, wo so lange gewichtige Namen durch die Gerüchteküche gewirbelt wurden, bis zwei über ihre Länder hinaus kaum bekannte Politiker für die Topjobs übrig blieben.

Dem Ansehen der EU bei ihren Bürgern, auf das sich die Lenker des Kontinents so gerne berufen, hat das Gezerre nicht gutgetan. Die Bürger wollen Ergebnisse, statt lähmender Personaldebatten.
"An die Arbeit", muss das Motto daher lauten. Das Führungstrio der Union - neben Catherine Ashton und Herman Van Rompuy der erfahrene Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso - ist gekürt, fehlt noch die neue Kommission. Dann müssen Europas Spitzen beweisen, dass der Vertrag von Lissabon Entscheidungen tatsächlich leichter macht. Catherine Ashton und Herman Van Rompuy müssen sich aber auch persönliches Profil aufbauen. Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger hat einmal die berühmte Frage gestellt, wen er anrufen soll, wenn er Europa sprechen möchte. Ashton als EU-"Außenministerin" muss sich hier gegen die Konkurrenz der Merkels, Sarkozys und Browns wehren, wenn China oder Amerika rufen.
Allerdings: Sie kann noch so gut sein, wenn die Merkels, Sarkozys und Browns nicht wollen, hilft das gar nicht. Das Gelingen des neuen Europa liegt daher mindestens so sehr in der Verantwortung der Staatschefs wie in jener der neuen EU-Spitze.

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