WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Klimatische Verstimmungen sind hausgemacht - von Esther Mitterstieler

Eine starke Hand über Umwelt, Verkehr, Energie

Wien (OTS) - Dicke Luft macht sich zweieinhalb Wochen vor dem Klimagipfel in Kopenhagen breit - noch mehr als Industriestaaten und Entwicklungsländer ohnehin erzeugen. Schon jetzt ist klar, dass Kopenhagen kein Erfolg werden kann. Zu wenig Animo haben die USA, endlich tatkräftig eigene Ziele zu stecken. Zu wenig ambitioniert ist der Zwei-Stufen-Plan, der zuerst verbindliche Klimaziele und binnen zweier Jahre den finanziellen Boden dafür regeln soll. Es ist seit dem Klimagipfel in Kyoto 1997 immer das gleiche Spiel: Die Industriestaaten sperren sich vor den hohen Kosten der Eindämmung des Ausstoßes von klimaschädlichen Treibhausgasen. Die Entwicklungsländer sollen bei der Reduktion der Ausstöße unterstützt werden. Es geht wie immer ums Geld. Statt ökologische Zwänge mit ökonomischen Innovationen zu beantworten, sperrt sich die halbe Welt davor, Maßnahmen zu setzen.

Ganz vorne dabei ist Österreich. In der EU haben wir den Schwarzen Peter in der Erreichung der Kyotoziele. In Japan hat sich Österreich verpflichtet, die Treibhausgase bis 2010 um 13 Prozent unter das Niveau von 1990 einzudämmen. Allein: Wir schaffen nicht einmal den EU-Schnitt von acht Prozent. Vor zwei Jahren hat der damalige Umweltminister Josef Pröll warnende Stimmen wie jene des Wifo-Experten Stefan Schleicher als Mitglied des Klimafonds "fehl am Platz" gesehen. Dabei rechnete Schleicher damals schon vor, dass Österreich seine Ziele nicht einhalten kann.

Was ist in all den Jahren schief gelaufen? Kein Umweltminister hat es auch nur ansatzweise geschafft, dem Thema Klimaschutz gebührenden Wert zu verleihen. Anstatt moderne Technologien zu forcieren machen wir Klimaschutz-Round-Tables. Das Problem ist systemimmanent: Umwelt, Energie und Infrastruktur sollten unter einem ministeriellen Dach vereint werden. Dann könnte die Infrastrukturministerin die ÖBB auch klimafit machen anstatt sie lediglich gesund zu sparen. Warum wohl verfrachten große Spediteure ihre Ware via Schiene? An solchen Hebeln könnte man drehen. Mit 28 Prozent Anteil trägt der Verkehr einen Großteil zur dicken Luft bei. Eine kilometerabhängige Maut für Pkw könnte viele Autofahrer zu Öffi-Benutzern werden lassen. Nicht zuletzt: Auch die Länder sollten ihren Beitrag leisten, damit uns nicht am Ende allen die Luft und das Geld ausgeht. Wenn der nunmehrige Finanzminister Pröll nicht davon ausgeht, dass Österreich Klima-Strafen von einer Milliarde Euro zahlen muss, ist das gut und nett. Allein der Gedanke daran sollte uns Warnung genug sein.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001