Pharmig-Aktivitäten schaffen Verunsicherung: Produzieren Pharmafirmen schlechte Medikamente?

Presseaussendung von Salzburger Gebietskrankenkasse und Ärztekammer für Salzburg

Salzburg (OTS) - Eine Aussendung der Interessensgemeinschaft der Pharmazeutischen Industrie - PHARMIG - schafft derzeit Verunsicherung. "Nur mehr die billigsten Medikamente dürften verordnet werden" postuliert die PHARMIG - und das "gefährde den Behandlungserfolg."
Bedeutet dies, dass pharmazeutische Unternehmen - also Mitglieder der PHARMIG - minderwertige oder unwirksame Produkte herstellen? Oder möchte die PHARMIG bewirken, dass diese "schlechteren" Produkte ihrer Mitglieder aus dem Erstattungskodex, der Liste der in Österreich zugelassenen Medikamente, gestrichen werden?
Das fragen sich Ärztekammer Salzburg und Salzburger Gebietskrankenkasse angesichts der einigermaßen unverständlichen Behauptungen der PHARMIG in den letzten Tagen.

1. Was will die PHARMIG - oder weiß sie, was sie will?

Am Freitag, 13. November verkündete die PHARMIG via Aussendung, dass der "Salzburger Vertrag vom Tisch sei." Trotz Richtigstellung durch Ärztekammer und SGKK wiederholte sie diese Behauptung am Montag, 16. November.

Am Dienstag, 17. November wiederum wurden zahlreiche Salzburger mit einer Postwurfsendung der PHARMIG beglückt, in dem diese meinte, man solle in Salzburg nicht krank werden, da hier nur mehr billigste Medikamente verschrieben werden.

"Es stellt sich damit die Frage, wie ernst zunehmend die Aussagen der PHARMIG überhaupt noch sind," erklären dazu Ärztekammer-Präsident Karl Forstner und SGKK Direktor Harald Seiss.

2. PHARMIG - Mitgliedsunternehmen produzieren schlechte Medikamente?

Die PHARMIG betrachtet offensichtlich etliche Produkte ihrer eigenen Mitglieder recht skeptisch. Trotz Zulassungsverfahren, Heilmittelkommission und guten Erfahrungswerten scheint die PHARMIG über ein Insiderwissen zu verfügen, dass manche dieser Medikamente "den Behandlungserfolg" beeinträchtigen sollen.
Im Interesse der Patienten und Versicherten fordern SGKK und Ärztekammer daher die PHARMIG auf, offen zu legen, welche Medikamente aus ihrer Sicht denn so schlecht für die Patienten sind.

3. PHARMIG - Verhindern auf Kosten der Patienten

"Leider müssen wir annehmen, dass hinter diesem Verhalten der PHARMIG sehr wohl Kalkül steckt," sagt dazu SGKK-Direktor Harald Seiss. "Im Kern geht es der PHARMIG darum, die Umsetzung der seit Jahren geltenden Ökonomie-Richtlinie zu verhindern. Diese Richtlinie verpflichtet Ärzte dazu, bei gleicher Wirksamkeit das günstigste Medikament zu verschreiben. Die Salzburger Vereinbarung hat das Ziel, diese Richtlinie erstmals regional umzusetzen."
Für die PHARMIG steht einiges auf dem Spiel: 4 Millionen Einsparungspotential gibt es in Salzburg. Österreichweit wäre es ein Vielfaches. Natürlich bedeutet dieses Einsparungspotential weniger Einnahmen für die Pharmabranche. Deren Interessensvertretung hat verständlicherweise den Auftrag, dies zu verhindern.
"Gerade im Interesse der Versicherten muss die Ökonomie-Richtlinie umgesetzt werden. Eine langfristige Aufrechterhaltung unseres guten Gesundheitssystems kann nur gelingen, wenn dort, wo es ohne Qualitätseinbußen geht, gespart wird," erklärt Direktor Harald Seiss. "Denn optimale Medizin muss nicht immer die teuerste sein, sondern sie muss die Richtige sein", ergänzt Dr. Karl Forstner.

4. Salzburger Vereinbarung tritt mit 1. Jänner 2010 in Kraft

SGKK und Ärztekammer betonen, dass am 1.1.2010 die Salzburger Vereinbarung in Kraft tritt. Sie sieht vor, dass - wissenschaftlich begleitet - in ausgewählten Indikationsbereichen künftig unter den als geeignet bewerteten Präparaten jenes ausgewählt wird, das auch ökonomisch am günstigsten ist.

Basis dafür ist eine Liste, die EDV-mäßig mit Hilfe des vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger programmierten "Ökotools" erstellt wird. Sie macht das günstigste Medikament (oder die gleich günstigen) durch Reihung und Markierung auf den ersten Blick sichtbar. Die bisher produzierte gedruckte Papierversion dieses Tools wird weiterhin zur Verfügung stehen. Ein von der PHARMIG behaupteter Unterschied zwischen so genannter 'Salzburger Liste' und Ökotool existiert nicht. "Da das Ökotool ja ein Werkzeug ist, wie der Name sagt, stellt es keine eigene Liste dar. Es ist ein Werkzeug, um aus einer vollständigen Medikamentenliste in ausgewählten Indikationsbereichen die günstigsten rasch herauszufiltern. Selbstverständlich benutzen wir dieses Ökotool, um unsere Vereinbarung EDV-gestützt umzusetzen. Das ist auch im Vertrag explizit erwähnt", erläutert Harald Seiss abschließend.

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