Studie: Pflege ist "weiblich" und schlecht vereinbar mit Beruf

Projekt der "Fachhochschule Oberösterreich" mit Caritas-Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige -Caritasdirektor Mühlberger: "Pflegende Angehörige müssen stärker unterstützt werden"

Linz, 18.11.2009 (KAP) Die Pflege von Angehörigen lastet in Österreich fast ausschließlich auf den Schultern von Frauen; ihr langjähriger Dienst ist schlecht vereinbar mit einer Erwerbstätigkeit und die gepflegten Personen weisen zum Teil sehr hohe Pflegestufen auf. Das ist das Ergebnis einer Studie von Studenten der "Fachhochschule Oberösterreich" zur Situation von pflegenden Angehörigen in Österreich. Sie untersuchten in einem einjährigen Projekt die Bedeutung der 33 Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige, die die Caritas der Diözese Linz in Oberösterreich anbietet.

Dabei stellten die Forscher fest, dass 96 Prozent der Teilnehmenden an den Gesprächsgruppen Frauen sind. Obwohl sich im Schnitt sechs von zehn pflegenden Angehörigen zum Zeitpunkt der Befragung noch im erwerbsfähigen Alter befanden, gingen nur zwölf Prozent einer Vollzeitbeschäftigung nach. Ein Viertel pflegt ihre jeweiligen Angehörigen bereits seit mehr als zehn Jahren. 13 Prozent der Befragten betreuen Menschen in der Pflegestufe 6, bei der laut Sozialministerium "Betreuungsmaßnahmen regelmäßig während des Tages und der Nacht erforderlich sind".

Österreichweit werden mehr als 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause durch Angehörige gepflegt, betont der Linzer Caritasdirektor Mathias Mühlberger aus Anlass der Präsentation der Studie. "Wir müssen alles daran setzen, dass pflegebedürftige Menschen auch zukünftig zu Hause betreut werden können", so Mühlberger, sonst werde das Pflegesystem "eines Tages kollabieren". Er fordert von der Politik weitere Maßnahmen, um pflegende Angehörige zu unterstützen und entlasten. Konkret nennt Mühlberger einen weiteren Ausbau der Mobilen Dienste sowie von Kurzzeitpflegeplätzen und Tageseinrichtungen.

Online-Forum bietet Hilfe

In Oberösterreich bietet die Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige zahlreiche unterstützende Angebote. Neben den 33 Gesprächsgruppen, die von ausgebildeten Ehrenamtlichen geleitet werden und eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch geben, können pflegende Angehörige auch eine psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. "Die Servicestelle schafft Erholungsmöglichkeiten und sorgt für Entlastungssituationen, damit sich pflegende Angehörige wieder gestärkt ihrer Betreuungsaufgabe widmen können", erklärt die Leiterin der Servicestelle, Marlene Mayr.

Eine besondere Form des Austausches bietet das "n@tzwerk pflege". Unter der Internet-Adresse www.netzwerkpflege.at können pflegende Angehörige in einem Online-Forum mit anderen Betroffenen in Kontakt treten sowie anonyme Anliegen an Caritas-Pflegeexperten richten.

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