Wien Museum zeigt "Kampf um die Stadt" im Künstlerhaus

Großer Wurf mit umfassendem Begleitprogramm - Bis Ende März 2010 zu sehen

Wien (OTS) - Bis an die Grenzen der Belastbarkeit der Institution, wie auch des zigköpfigen Ausstellungsteams sei die 1900 Quadratmeter und 1800 Objekte umfassende Ausstellung über das Wien der 30er Jahre gegangen, stellte am Mittwoch Wien Museum-Direktor und Chefkurator der Schau Wolfgang Kos beim Pressetermin fest. Über zwei Etagen entwirft die im Künstlerhaus angesiedelte Schau ein kulturhistorisches Panorama über jene prekäre Phase der Zeitgeschichte, die zwar noch demokratisch aufgestellt, an vielen Ecken und Enden jedoch bereits nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch, ideologisch und technisch herausgefordert wurde. "Kampf um die Stadt" verzichtet wohltuend auf die scheinbare Klarheit durch Schicksalsjahre - wie "1938", "wo uns sofort die Wörter einfallen" (Kos) - und versetzt den "mündigen Besucher" (Kos) in jene Phase, in der zwar die Wiener Nazis noch klein, und die Wiener Sozialdemokratie mit ihrer "Enklave Wien" (Kos) noch stark und selbstbewusst waren, der eigentliche Riss zwischen Stadt und Provinz, Wien und den Bundesländern, katholisch-konservativem Bewahrungsanspruch und urban-modernen Gestaltungswillen bereits unüberbrückbar schien. "Noch war der Kampf nicht entschieden" heißt es andererseits im Pressepapier und die Schau setzt vieles daran, genau dieses schwer darzustellende Gefühl der Offenheit zu materialisieren. Plakate, Radio, Jazz und Bars, Filmdokumente, Wandervogel-Zeugnisse, Gemälde von Alfons Walde, Franz Lerch, Rudolf Wacker und Franz Sedlacek, ein von Gustav Deutsch zusammengestellter Film mit Aufnahmen rarer privater Filmemacher, die Büste Viktor Adlers, dazwischen - sehr gut positioniert, weil augenfällig gemacht - eine mittels hölzerner Verpackungskisten arbeitende Objekt-Schiene von damals neuen Techniken, wie etwa das Fließband, die Seilbahn, aber auch elektrische Gebrauchsartikel wie der Rasierer: "Kampf um die Stadt" -mit Objekten wird nicht gegeizt.

Eine eigens für die Schau und Bewerbung entworfene Schrift namens "Reclame" vom Designbüro "bauer-konzept&gestaltung" kombiniert mit der vor allem auf Farbe und Schlichtheit setzenden Architektur von "BWM Architekten & Partner" - beide Unternehmen haben schon oftmals für das Wien Museum gearbeitet - halten die Ausstellung nicht nur zusammen, sondern verleihen ihr den, von Kos gewünschten und beabsichtigten "Magazin"-Charakter. "Die Schau ist kein Lexikon", formulierte es Kos ex negativo, vielmehr bleibe das Wien Museum auch mit dieser Schau dem Prinzip des Labors, der Versuchsanordnung in der Präsentation treu.

17 Räume bespielt die Ausstellung, eingeteilt in vier große Kapitel. Die Orientierungsangebote funktionierten bereits beim Medientermin am Mittwoch Vormittag, auch wenn im Detail noch nicht alles fertig war: "Bei solchen Ausstellungen geht das gar nicht anders", so Kos. "Heimatideologie", "Scholle und Pulverschnee", "Wochenend und Sonnenschein", aber auch "Kampfplatz Politik", "Reklame und Konsum" oder "Jonny & Josephine" nennen sich auszugsweise die einzelnen, farblich immer wieder neu gestalteten Räume, die in Summe einen mehrfachen Besuch der Ausstellung verlangen. Deswegen bietet das Wien Museum auch ein besonders Service an: Wer ein zweites Mal die Schau besucht, bringt seine ursprüngliche Eintrittskarte mit und zahlt dann nur mehr die Hälfte. Jenseits der eigentlichen Ausstellung bietet die Schau ein gewaltiges Begleitprogramm an, welches in einer über 30 Seiten umfassenden Broschüre aufgelistet ist.

Auch am Begleitprogramm mit Stadtspaziergängen, Vorträgen, Liederabenden oder Filmvorstellungen, kann man ablesen, dass das Wien Museum bei dieser Ausstellung einen wirklich großen Wurf vor Augen hatte: Die Leistung des 24köpfigen recherchierenden Wissenschaftler-Teams, ebenso wie die kuratorische Leistung von Kos, der beim Mediengespräch eröffnete, "dass er jetzt im Augenblick gar nicht wisse, ob er als Direktor oder als Kurator auf dem Podium sitze", hat sich ausgezahlt. "Kampf um die Stadt" ist eine Schau, die in seltener Breite und Tiefendimension dem Besucher eine Zeitphase Wiens in Erinnerung ruft, die in ihrer Zerrissenheit der Gegenwart gar nicht so ferne zu sein scheint.

Wien Museum im Künstlerhaus (1., Karlsplatz 5): "Der Kampf um die Stadt", bis 28. März 2010, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag: bis 21.00 Uhr, Schließtage: 25.12. 2009, 1.1.2010, verkürzte Öffnungszeiten: 24.12. und 31.12. (jeweils 10.00 bis 14.00 Uhr) Zur Ausstellung liegt ab Dezember auch ein umfassender Katalog auf. www.Wien Museum.at

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