Handelsverband mahnt zur Vernunft in Kollektivvertragsverhandlungen

Stephan Mayer-Heinisch: 1,45% stellen oberes Ende des Vorstellbaren dar

Wien (OTS) - Die Kollektivvertragsverhandlungen gehen in ihre vermutlich letzte Runde. Mit einem Ergebnis wird noch diese Woche gerechnet. Der Österreichischen Handelsverband hat schon vor Beginn der Verhandlungen nach eingehenden internen Beratungen und Gesprächen mit den Mitgliedern seine Meinung hinsichtlich der vertretbaren Höhe des Kollektivvertragsabschlusses im Handel formuliert: Effektive 1,45% stellen das obere Ende des Vorstellbaren dar.

"Das ist in Zeiten einer nur mit milliardenteuren Stützungen durch die öffentliche Hand mühsam am Schrumpfen gehinderten Wirtschaft ein klares Signal des österreichischen Handels zur Stützung der Kaufkraft mit Augenmaß", erklärt Dr. Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Österreichischen Handelsverbandes: "Denn unsere Mitglieder sind davon überzeugt, dass der Aufschwung nicht hinter der nächsten Ecke lauert." Daher sei der Handelsverband auch gegen eine Mindestanhebung der Löhne und Gehälter. Erst ab einem Wirtschaftsaufschwung mit einem realen Wachstum von einem Prozent werde dieses auch arbeitsmarktwirksam.

In den Kollektivvertragsabschlüssen müsse besonderes Augenmerk auf die Jungen gelegt werden. Denn der Handel hat in den nächsten 10 Jahren ein strukturelles Problem: Zum einen findet er immer weniger bzw. schwerer Lehrlinge, und zum anderen ergibt sich zusehends ein Problem mit den überproportional kostenwirksamen Einkommen in der oberen Alterstufe, die dem Handel aber wegen ihrer Erfahrung und dem Umgang mit den Kunden durchaus wichtig sei, warnt Mayer-Heinisch.

Dr. Stefan Mumelter, Geschäftsführer des Handelsverbandes, weist darauf hin, dass der Handel der zweitgrößte Anbieter von Lehrstellen in Österreich sei: "2009 hat der Handel ca. 20.000 Lehrlinge ausgebildet, im Jahr 2015 wird er aber im 'war for talents' um 2.500 Nachbesetzungen kämpfen müssen."

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. So zählt die Statistik Austria 2009 in Österreich in der für die Lehrlingsausbildung relevanten Gruppe der 14- bis 17jährigen noch 394.000 Personen. Aber bereits 2015 wird sich diese Gruppe auf 349.000 (-12,5%) und 2020 gar auf 345.000 (-13%) verringern (Demographisches Handbuch der Statistik Austria).

Dem entsprechend betrifft eine der zentralen Forderungen des Handelsverbands schon seit Jahren die neue Definition der Lebenseinkommenskurve im Sinne einer Abflachung: Bei Zahlung höherer Einstiegsgehälter soll der Anstieg der Löhne und Gehälter mit fortgeschrittenem Dienstalter deutlich langsamer erfolgen. Den Mitgliedsunternehmen des Handelsverbandes sei durchaus bewusst, dass eine solche Maßnahme insbesondere in der Übergangszeit mit erhöhtem Aufwand für Personal verbunden wäre. Doch der Handel stehe dazu, weil er die Kaufkraft steigern und die Attraktivität des Arbeitsplatzes Handel heben wolle. "Es geht also darum, den Spielraum für die Unternehmen nicht durch überzogene Kollektivvertragsabschlüsse einzuengen", erklärt Mayer-Heinisch.

Von Aufschwung könne bei aktuell realen 0,9% noch keine Rede sein. Möglicherweise konnte der Trend in Finanzmärkten gestoppt werden. Der Handel sei aber noch lange nicht über den Berg, und es gebe genug Sorgenkinder unter den Unternehmen. Arbeitslosigkeit oder Unsicherheit hinsichtlich des Arbeitsplatzes bei stagnierenden Einkommen entfalten nach wie vor ihre Wirkung. "Vor diesem Hintergrund könnte eine rasche Einigung mit Augenmaß einen Beitrag zur Sicherheit leisten und den Menschen, aber auch dem sensiblen Weihnachtsgeschäft durchaus helfen", so Mayer-Heinisch abschließend.

Der Handelsverband wurde 1923 gegründet und ist heute eine freiwillige Interessenvertretung von mehr als 150 großen Handelsbetrieben in Österreich. Er nimmt die Funktionen eines Wirtschafts-, Berufs- und Arbeitgeberverbandes wahr. Darüber hinaus versteht sich der Verband als handelsorientiertes Dienstleistungszentrum und als branchenübergreifendes Wirtschaftsforum und Plattform für den politischen, rechtlichen und technologischen Dialog und Informationstransfer. Mit Richtlinien, Kennzeichen und Gütesiegeln setzt der Handelsverband Standards und fördert das Qualitätsbewusstsein und Vertrauen der Konsument/innen zum Handel.

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