"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Rückfall in den Postenschacher" (Von Wolfgang Sablatnig)

Ausgabe vom 18.11.2009

Innsbruck (OTS) - Die größte Neuerung im ORF ist ein neuer Direktor - und der hat sich vor allem durch ÖVP-Nähe qualifiziert.

Die Aufgabenstellung und Struktur der Gremien ist mit dem Ziel zu optimieren, die positive wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen", heißt es im Regierungsprogramm über den ORF. SPÖ und ÖVP hatten damit vor allem auf Kritik am Stiftungsrat des Senders reagiert. "Groß und unbeweglich", meinte etwa der Rechnungshof angesichts der 35 Mitglieder des Gremiums.

Groß und unbeweglich wird der Stiftungsrat aber bleiben. Weil sich die Koalition nicht auf Größe und Beschickung der neuen Gremien einigen konnte, lässt sie alles beim Alten. Als Draufgabe bleibt auch noch die ungeliebte - und teure - Faxwahl für sechs der 35 Stiftungsräte. Im Koalitionsprogramm war zumindest noch von einem "Überdenken" die Rede. Der SPÖ war die Chance auf eine absolute Mehrheit in den ORF-Gremien aber wichtiger, hat sie doch die zwei bisherigen Faxwahlen klar dominiert.

Die ÖVP darf im Gegenzug mit Richard Grasl einen der ihren als kaufmännischen Direktor einsetzen. Nicht nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt und vielleicht sogar noch einen Zusammenhang damit herstellt, dass der Sender unter dem Titel "Gebührenrefundierung" in den kommenden Jahren vom Steuerzahler 160 Millionen Euro bekommt, was die ÖVP lange abgelehnt hat.

Und was lernen Herr und Frau Österreicher: Postenschacher und Tauschgeschäfte sind der Ausweg, wenn inhaltlich nichts geht. Die Opposition könnte die Blamage komplett machen, wenn sie beim Nein zur neuen unabhängigen Medienbehörde - die ein echter Fortschritt wäre -bleibt. Schade für den ORF, dass er wieder als Spielball für die Politik herhalten muss.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001