• 14.11.2009, 12:12:58
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PSYCHOTHERAPEUTiNNEN WARNEN: Wer schweigt, macht sich mitschuldig!

Zum Fall Zogaj - Unmenschliche Asylgesetze

Wien (OTS) - Als PsychotherapeutInnen wissen wir um den
Risikofaktor Flucht und Migration bei Kindern und Jugendlichen und
wir wissen auch, dass die Bedingungen im Aufnahmeland entscheidend
dafür sind, ob Flucht und Migration zur menschlichen Katastrophe
werden und die physische und psychische Gesundheit von Menschen
zerstören.

Wir müssen uns nicht fragen, ob das Asylverfahren im Fall Zogaj
rechtlich korrekt abgehandelt wurde - wir dürfen davon ausgehen, dass
sich die Justiz in einem prominenten Fall ganz besonders um
Korrektheit bemüht. Wir müssen uns aber fragen, was zu tun ist, wenn
die Asyl- und Fremdenrechtsgesetze nicht nur die grundlegenden
Kinder- und Menschenrechte, sondern schlicht auch die Menschlichkeit
aussetzen. Österreich hat damit eine ethisch äußerst bedenkliche
Haltung angenommen.

Wir wollen nicht weiter schweigen! Die gängige Asylpolitik und die
damit verbundene Abschiebepraxis lösen suizidale Krisen aus. Menschen
werden in ausweglose Situationen gebracht, ihre Ohnmacht und
Verzweiflung wird in Kauf genommen, Entscheidungsträger hinterlassen
menschliche Tragödien wie im Fall Zogaj! Wir PsychotherapeutInnen
wollen nicht NACH einem Suizid gefragt werden, wie er hätte
verhindert werden können, sondern darauf aufmerksam machen, dass das,
was mit Menschen wie mit Fr. Arigona Zogaj geschieht, potentiell
traumatisierend wirkt. Traumata können Menschenleben psychisch und
physisch zerstören.

PsychotherapeutInnen sprechen üblicherweise keine Ferndiagnosen
aus. Man muss aber gar nicht ExpertIn sein, um anzunehmen, dass sich
die junge Frau Zogaj und mit ihr auch ihre Familie in einer
existentiellen und lebensbedrohlichen Krise befindet: Jahrelange
Unsicherheit (seit 7 Jahren), Abschiebedrohungen, fortdauernde
Erfahrung von Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit, Zerfall der Familie
und nun der drohende Verlust von Bindungen an Menschen, die ein
schützendes und Halt gebendes Beziehungssystem bieten, das würde
jeden Menschen erschüttern! Und wie erschütternd muss es erst sein,
wenn ein junges Mädchen, das so mutig war, öffentlich auf ihre
verzweifelte Notlage hinzuweisen, nun gewaltsam per staatlicher
Verfügung gebrochen und in die Knie gezwungen wird.

Wir appellieren an die Verantwortlichen, diese junge Frau und mit
ihr alle ähnlich Betroffenen als Menschen in psychischen und
physischen Krisensituationen mit einem Recht auf menschenwürdige
Behandlung zu sehen! Es wäre ein äußerst bedenkliches Zeichen für die
Verrohung unserer Gesellschaft, wenn die junge Frau nun zu einem
Objekt der Rechtssprechung und damit zum Spielball einer Politik
werden sollte, die sich mit einer restriktiven Asylpolitik auf
Stimmenfang ins rechte Lager begibt.

Wir sind die Nachfahren einer vom Holocaust traumatisierten
Gesellschaft. Daher ist der öffentliche Dialog über Verdrängung und
Mittäterschaft durch Untätigkeit gerade anlässlich solcher Fälle
dringend geboten.

Wir PsychotherapeutInnen schließen uns der Meinung des
Verfassungsrechtlers Mayer an und appellieren an die Politik für Frau
Zogaj und ähnlich betroffene Menschen das 'Humanitäre Bleiberecht'
gelten zu lassen. Der Mensch, seine Fähigkeit zum Mitgefühl und seine
Fähigkeit, Unrecht und Grausamkeit zu empfinden, müssen das Maß für
Entscheidungen in einer zivilisierten Gesellschaft bleiben!

Die PsychotherapeutInnen Österreichs, vertreten durch den
Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie.

Rückfragehinweis:
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Tel.: 01/512 70 90 Mobil: 0676/7215290 Fax: 01/512 70 91
mailto:[email protected]
http://www.psychotherapie.at/oebvp

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