PSYCHOTHERAPEUTiNNEN WARNEN: Wer schweigt, macht sich mitschuldig!

Zum Fall Zogaj - Unmenschliche Asylgesetze

Wien (OTS) - Als PsychotherapeutInnen wissen wir um den
Risikofaktor Flucht und Migration bei Kindern und Jugendlichen und wir wissen auch, dass die Bedingungen im Aufnahmeland entscheidend dafür sind, ob Flucht und Migration zur menschlichen Katastrophe werden und die physische und psychische Gesundheit von Menschen zerstören.

Wir müssen uns nicht fragen, ob das Asylverfahren im Fall Zogaj rechtlich korrekt abgehandelt wurde - wir dürfen davon ausgehen, dass sich die Justiz in einem prominenten Fall ganz besonders um Korrektheit bemüht. Wir müssen uns aber fragen, was zu tun ist, wenn die Asyl- und Fremdenrechtsgesetze nicht nur die grundlegenden Kinder- und Menschenrechte, sondern schlicht auch die Menschlichkeit aussetzen. Österreich hat damit eine ethisch äußerst bedenkliche Haltung angenommen.

Wir wollen nicht weiter schweigen! Die gängige Asylpolitik und die damit verbundene Abschiebepraxis lösen suizidale Krisen aus. Menschen werden in ausweglose Situationen gebracht, ihre Ohnmacht und Verzweiflung wird in Kauf genommen, Entscheidungsträger hinterlassen menschliche Tragödien wie im Fall Zogaj! Wir PsychotherapeutInnen wollen nicht NACH einem Suizid gefragt werden, wie er hätte verhindert werden können, sondern darauf aufmerksam machen, dass das, was mit Menschen wie mit Fr. Arigona Zogaj geschieht, potentiell traumatisierend wirkt. Traumata können Menschenleben psychisch und physisch zerstören.

PsychotherapeutInnen sprechen üblicherweise keine Ferndiagnosen aus. Man muss aber gar nicht ExpertIn sein, um anzunehmen, dass sich die junge Frau Zogaj und mit ihr auch ihre Familie in einer existentiellen und lebensbedrohlichen Krise befindet: Jahrelange Unsicherheit (seit 7 Jahren), Abschiebedrohungen, fortdauernde Erfahrung von Angst, Ohnmacht und Hilflosigkeit, Zerfall der Familie und nun der drohende Verlust von Bindungen an Menschen, die ein schützendes und Halt gebendes Beziehungssystem bieten, das würde jeden Menschen erschüttern! Und wie erschütternd muss es erst sein, wenn ein junges Mädchen, das so mutig war, öffentlich auf ihre verzweifelte Notlage hinzuweisen, nun gewaltsam per staatlicher Verfügung gebrochen und in die Knie gezwungen wird.

Wir appellieren an die Verantwortlichen, diese junge Frau und mit ihr alle ähnlich Betroffenen als Menschen in psychischen und physischen Krisensituationen mit einem Recht auf menschenwürdige Behandlung zu sehen! Es wäre ein äußerst bedenkliches Zeichen für die Verrohung unserer Gesellschaft, wenn die junge Frau nun zu einem Objekt der Rechtssprechung und damit zum Spielball einer Politik werden sollte, die sich mit einer restriktiven Asylpolitik auf Stimmenfang ins rechte Lager begibt.

Wir sind die Nachfahren einer vom Holocaust traumatisierten Gesellschaft. Daher ist der öffentliche Dialog über Verdrängung und Mittäterschaft durch Untätigkeit gerade anlässlich solcher Fälle dringend geboten.

Wir PsychotherapeutInnen schließen uns der Meinung des Verfassungsrechtlers Mayer an und appellieren an die Politik für Frau Zogaj und ähnlich betroffene Menschen das 'Humanitäre Bleiberecht' gelten zu lassen. Der Mensch, seine Fähigkeit zum Mitgefühl und seine Fähigkeit, Unrecht und Grausamkeit zu empfinden, müssen das Maß für Entscheidungen in einer zivilisierten Gesellschaft bleiben!

Die PsychotherapeutInnen Österreichs, vertreten durch den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie.

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