WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Frau und Wirtschaft aus Erfahrung - von Esther Mitterstieler

Mit der Brille der Frau auf die Tradition besinnen

Wien (OTS) - Wer gut wirtschaftet, kommt leichter durchs Leben. Banaler Spruch mit bedeutendem Hintergrund. Traditionell blieben Frauen zu Hause, zogen Kinder groß und kümmerten sich ums Haushaltsgeld. Sie konnten also gut wirtschaften. Wir leben in einer traditionellen Gesellschaft; es ist also nicht einzusehen, warum den Frauen plötzlich diese Eigenschaft aberkannt werden soll, wenn es um Unternehmensführung geht. Da sind die Männer zuerst am Zug.

Nicht nur: Es gibt kaum einen Bereich, in dem Frauen nicht weniger als Männer verdienen. Frauen sollen künftig bei Ausschreibungsverfahren im öffentlichen Bereich bei gleicher Eignung bis zu einem Anteil von 45 Prozent statt bisher 40 Prozent Männern bevorzugt werden. Beamten- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek wollte 50 Prozent durchsetzen, ist aber am Widerstand der ÖVP gescheitert.

Ein Witz. Hier geht es nicht um Schutz, sondern um Gleichberechtigung. Der Staatspreis für Chancengleichheit in Forschung und Entwicklung für besonders innovative Unternehmen, den Infrastrukturministerin Doris Bures ins Leben rief, ist leider eine weitere Seite der selben Medaille: Ohne Förderungen und Nachhelfen scheint kein Weg zur Gleichberechtigung zu führen.
Ein Blick auf die Zahl der Aufsichtsräte genügt, um zu zeigen, dass ein Aufholbedarf für Frauen auf der Hand liegt: Im September standen 18 Frauen in Aufsichtsräten börsenotierter Unternehmen in Wien 209 Männern gegenüber. Wobei es hier ein Problem von beiden Seiten gibt. Gerade in technischen Bereichen ist es eine Frage des Angebots. Wenn zu wenig Frauen da sind, sollte man auch keine nur benennen, weil sie eine solche ist. Damit könnte sich die Quote schnell zur Waffe auch vieler schlechter Männer gegen Frauen entwickeln, wie Ex-Notenbankchefin Maria Schaumayer es in dieser Zeitung gesagt hat. Aber eine Quote für bestimmte Branchen sollte man allemal festsetzen. Dann gäbe es keine Ausreden mehr. Es gibt auch im Dienstleistungssektor gute Frauen, die nicht beachtet werden. Fakt bleibt leider: Je weiter es nach oben geht, umso dünner wird ihr Anteil. Dabei könnten Frauen aus Erfahrung einen anderen Blickwinkel in die Wirtschaft tragen. Dann hieße es jeden Tag: Frau in der Wirtschaft. Und nicht wie beim Muttertag nur einmal im Jahr.

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