"Mit Würde ins Leben treten": Österreich hinkt nach

Tagung des "Netzwerk Lebensbeginn" in Salzburg will Baby- und Elternbegleitung vor und nach der Geburt stärken

Salzburg, 12.11.2009 (KAP) "Mit Würde ins Leben treten" lautet das Thema einer interdisziplinären Tagung, die bis Samstag im kirchlichen Bildungszentrum St. Virgil in Salzburg stattfindet. Die Themen der Vorträge und Workshops reichen von vorgeburtlicher Entwicklung über die emotionalen Umstände der Geburt bis zu den Fragen um die Unterstützung im ersten Lebensjahr des Kindes. Veranstalter ist das "Netzwerk Lebensbeginn".

Ziel der Tagung, zu der 320 Interessenten und 35 Experten aus dem deutschsprachigen Raum gekommen sind, sei vor allem ein "Aufrütteln der Gesellschaft", so der Direktor von St. Virgil, Peter Braun, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Es gebe zu diesem Bereich kaum Forschung und auch keinen Lehrstuhl in Österreich.

Vor 20 Jahren sei es der Hospizbewegung genau so gegangen wie jetzt dem "Netzwerk Lebensbeginn", dem bereits 22 Organisationen angehören, sagte Braun. In der Tagung wolle man verschiedene Problemfelder bewusst machen und letztlich auch die Politik aufrütteln, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Eine der konkreten Forderungen der Teilnehmer betreffe etwa Kinderkrippen, für die in Österreich dringend ein Qualitätsstandard eingeführt werden müsse.

Krisenberatung ausbauen

Wenn manche Babys mehr weinen als andere, kann das für Eltern Stress bedeuten und zur Grundlage für Gewalt werden, berichtete der Psychologe Thomas Harms aus Bremen in dem Pressegespräch. Krisenberatung sei daher sehr wichtig, und oft reichten bereits drei bis sechs Sitzungen, um aus einer Sackgasse herauszuhelfen. Auch ein Kaiserschnitt sei kein stressfreier Eingang ins Leben.

Die Ärztin Katharina Kruppa von der Baby Care-Ambulanz am Preyerschen Kinderspital in Wien wies darauf hin, dass allein gelassene Mütter auch zu Gewalt neigen können.

Die Eltern- und Baby-Begleitung sei daher ein wesentlicher Beitrag zu einer humaneren Gesellschaft, betonte die Kufsteiner Pädagogin Ursula Henzinger: "Vielleicht wird in Zukunft nicht die Gesellschaft das Kind, sondern das Kind die Gesellschaft verändern."

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