Ärztekammer befürchtet baldiges Aus von Lehrpraxen in Österreich

Politik seit Jahren untätig - Dorner: "Die Fördermittel sind unzureichend und lächerlich"

Wien (OTS) - "Die Lehrpraxis und ihre Finanzierung ist von der Politik die letzten Jahre sträflich vernachlässigt und mit großem Desinteresse bestraft worden", kritisiert der Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner. Er prognostiziert der Lehrpraxisausbildung damit "ein baldiges Ende in Österreich".

Der Hintergrund für die aktuelle Misere: Bislang hatten Jungmediziner, die einen Teil ihrer Turnusausbildung in einer Ordination ("Lehrpraxis") absolvieren, Anspruch auf ein Honorar von lediglich knapp 1000 Euro. Das war zwar für den Ordinationsinhaber leistbar, für den Turnusarzt aber keineswegs zumutbar. Dorner: "Es ist inakzeptabel, wenn junge Akademiker zwischen 25 und 35 Jahren nach einem aufwendigen und anstrengenden Studium für ein Gehalt von unter 1000 Euro im Monat arbeiten und damit vielleicht noch eine Familie erhalten müssen."

Deshalb hat die Österreichische Ärztekammer einem Kollektivvertrag für Turnusärzte in Ordinationen zugestimmt, der ein Gehalt zwischen 1300 und 2600 Euro für 30 Stunden wöchentlich, gestaffelt nach dem Ausbildungsgrad, vorsieht. Das wiederum ist für die meisten Ordinationen aufgrund der knapp bemessenen Kassenhonorare nicht mehr finanzierbar, weswegen bereits kurz nach Veröffentlichung des Kollektivvertrags viele Ordinationsinhaber erklärten, zukünftig keine Turnusärzte mehr in ihrer Ordination ausbilden zu wollen (können).

Er verstehe den Unmut vieler niedergelassener Kolleginnen und Kollegen über den ab 1. Jänner 2010 geltenden Kollektivvertrag für Lehrpraxen, meint Dorner. Aber so wie bisher hätte es auch nicht weitergehen können.

Voller Idealismus in der Ausbildung

"Seit einer halben Ewigkeit" habe die Ärztekammer immer wieder Versuche unternommen, die Frage der Finanzierung mit dem Bund und den Ländern vernünftig zu regeln. "Die Fördermittel sind absolut unzureichend und lächerlich", kritisiert der Ärztekammerchef.

Auch der Politik müsse es im Hinblick auf die zukünftige Patientenversorgung eigentlich ein Anliegen sein, die Arztausbildung durch die Integration der Lehrpraxisausbildung - wie in ganz Europa üblich - zu finanzieren. Denn damit würde man "noch besser und praxisnahe ausgebildete junge Ärztinnen und Ärzte" erhalten.

Es gehe hier um junge Menschen, die "voller Idealismus an ihre Arbeit gehen", so Dorner weiter. Dies müsse aber auch finanziell berücksichtig werden.

Für den Fall, dass sich die Politik nicht rasch entschließt, die Lehrpraxen in Österreich intensivst zu unterstützen, zeichnet Dorner für die Zukunft ein düsteres Bild: "Dann wird es über kurz oder lang keine Lehrpraxen in Österreich mehr geben." (kmc)

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