Benedikt VI. auf den Spuren des Konzilspapstes Paul VI.

Papst in Brescia: "Nur eine 'arme und freie' Kirche kann mit der Menschheit von heute sprechen" - Benedikt XVI. betont die Bedeutung der großen Dialog-Enzyklika des Montini-Papstes von 1964

Brescia, 08.11.2009 (KAP) Auf den Spuren des großen Konzilspapstes Paul VI. besuchte Benedikt XVI. am Sonntag die Stadt Brescia in Norditalien. Paul VI. (Papst von 1963 bis 1978) war dort als Giovanni Battista Montini am 26. September 1897 geboren worden. Dem Montini-Papst sei es um eine "arme und freie" Kirche gegangen, die sich so nahe wie möglich an Jesus Christus ausrichtet, betonte Benedikt XVI. Dies sei auch das tiefe Verlangen des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen. Nur eine solche Kirche könne mit der Menschheit von heute sprechen. Die Begegnung der Kirche mit den Zeitgenossen sei für Giovanni Battista Montini von dessen ersten Priesterjahren an das Hauptanliegen gewesen, erinnerte der Papst.

Benedikt XVI. verwies auf die erste Enzyklika des Montini-Papstes; sie war unter dem Titel "Ecclesiam suam" am 6. August 1964 veröffentlicht worden, noch vor den großen Konzilsdokumenten über die Kirche ("Lumen gentium") und über die Kirche in der Welt von heute ("Gaudium et spes"). Die zentralen Begriffe dieser Enzyklika hätten "Bewusstsein" (der Kirche über ihre Natur, ihre Aufgabe, ihr Ziel), "Erneuerung" (nach dem Vorbild Jesu) und "Dialog" (mit der modernen Welt) gelautet. Diese Reflexion Pauls VI. über die Kirche sei angesichts der Entwicklungen von Säkularisierung und Globalisierung "aktueller denn je". Der Montini-Papst habe aber in "Ecclesiam suam" auch daran erinnert, dass das innere Leben, die Spiritualität, die Quelle von religiöser wie sozialer Aktivität der Kirche und ihrer Energie im "schwierigen Kontakt mit der profanen Welt" sein muss.

Ausdrücklich erinnerte Benedikt XVI. im Zusammenhang des internationalen "Jahres des Priesters" auch an die Enzyklika Pauls VI. über den priesterlichen Zölibat in der Kirche des lateinischen Ritus ("Sacerdotalis caelibatus"). Zugleich zitierte der Papst die Worte Pauls VI. an die Studenten des Lombardischen Seminars am 7. Dezember 1968, als die postkonziliaren Schwierigkeiten und die Auswirkungen der Studentenrevolution einander verstärkten: "Viele erwarten sich vom Papst aufsehenerregende Gesten...Aber der Papst ist überzeugt, dass er keiner anderen Linie folgen kann als der des Vertrauens auf Jesus Christus...Christus wird den Sturm besänftigen".

An der Messfeier vor dem Dom von Brescia nahmen bei strömendem Regen tausende Menschen teil. Bei der RAI-Übertragung wurde daran erinnert, wie sehr es Giovanni Battista Montini schon als Erzbischof von Mailand und dann umso mehr als Papst um die "Fernstehenden" gegangen sei. In seiner berühmten Schlussansprache des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 lautete ein zentraler Satz: "Niemand steht der Kirche fern" (nessuno e' lontano).

(forts)
nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001