"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Wo bleibt die Ideologie?"

Vielen Studenten geht es mehr um Karriere als um Politik. Sehr zeitgeistig.

Wien (OTS) - Es gibt viele Gründe, Sympathie für die protestierenden Studenten zu haben. Die Situation an den Unis erreicht in manchen Fächern tatsächlich die Grenze der Erträglichkeit. Es ist kein Zufall, dass es auch unter den Lehrenden große Solidarität gibt. An einem der Auswege, nämlich jenem der Zugangsbeschränkungen, wird dennoch kein Weg vorbeiführen.
Trotz allem Verständnis für den Unmut stellt sich die Frage: Geht es den Studenten wirklich primär um die eigenen Ausbildungsbedingungen? Wenn das so ist, wird der Protest an den Universitäten zum gewerkschaftlich anmutenden Arbeitskampf.
Wenn die Erinnerung und die Geschichtsschreibung nicht täuschen, hatten die Studentenaufstände in der Vergangenheit zumeist politisch motivierte Gründe und entsprangen einer ideologischen Überzeugung. Man muss gar nicht ins Ungarn des Jahres 1956 oder bis 1968 zurückgehen (als Studenten jeweils eine zentrale Rolle spielten) - es reicht schon ein Rückblick auf die Proteste gegen die erste Schwarz-Blaue Regierung.
Heute hat man das Gefühl, dass es primär um die eigene Ausbildung und damit die eigene Karriere geht. Ein sehr utilitaristischer, ja geradezu kapitalistischer Zugang. Symptomatisch für unsere Zeit.

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