Küng: Kreuz ist niemals Zeichen der Intoleranz

Kirchliche Schulerhalter weisen "Zurückdrängung von Religion in die Privatsphäre" zurück

Wien, 04.11.2009 (KAP) Mit Besorgnis hat der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng auf das umstrittene Kreuz-Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs (EGMR) reagiert, das eine Anbringung von Kreuzen in italienischen Klassenzimmern untersagt. Das Kreuz sei niemals ein Zeichen der Intoleranz, sondern vielmehr "Ausdruck von Menschenrechten" und zugleich eine "Einladung an die Kinder, sich wie selbstverständlich mit religiösen Symbolen auseinanderzusetzen", so Bischof Küng in einer ersten Stellungnahme. Kritik übte Küng daran, dass das Urteil den Willen eines einzelnen Menschen "über die Tradition und den Willen einer Schule, ja letztlich eines ganzen Landes" stelle.

Bischof Küng wörtlich: "Wer religiöse Symbole aus dem öffentlichen Raum entfernt, der entfernt letzten Endes die Religion aus dem öffentlichen Leben. Wo will man aufhören? Wann wird man beginnen, die Kirchen zu entfernen?" Österreich besitze weiterhin tiefe christliche Wurzeln, für deren Pflege die Kirche in diesem Land auch weiterhin eintreten werde, so der Bischof abschließend.

"Antireligiöse Provokation"

Kritisch bis gelassen haben die kirchlichen Schulerhalter auf das Straßburger Urteil reagiert. "Dieses Urteil gegen Italien und der entsprechende Antrag spiegeln nicht eine Trennung von Kirche und Staat im Sinne einer freundschaftlichen Kooperation wider, wie sie für Österreich selbstverständlich ist", betonte der Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche A.B. und H.B, Prof. Raoul Kneucker. Hier komme vielmehr "ein Prinzip der absoluten Negierung religiös-kultureller Symbole zum Tragen". Kneucker sprach von einer "antireligiösen Provokation".

Zudem sei die Ideologie des Laizismus eine Weltanschauung, die sich selbst als "Quasi-Religion" darstellt, so Kneucker: "Wie gewohnt artikuliert sie sich sehr kämpferisch und stellt Einzelinteressen über den gesellschaftlichen Konsens."

Christine Mann, geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung, gab sich in einer Stellungnahme gelassen und verwies auf die Position des Bildungsministeriums. Ministeriumssprecher Nikolaus Pelinka hatte betont, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig sei: Solange es kein endgültiges Urteil gibt, sehe man von Seiten des Ministeriums keine rechtlichen Implikationen für Österreich.

Man müsse erst einmal den endgültigen Abschluss des Verfahrens abwarten, betonte Schulamtsleiterin Mann, die zugleich die vielschichtige Bedeutung religiöser Symbole hervorhob: Für viele Menschen sei das Kruzifix, gleich ob im Klassenzimmer, im Gerichtssaal oder im Krankenzimmer, bloß eine Symbol, das eine gewisse kulturelle Identität schaffe und es zeige etwa auch für Nichtchristen an, dass hier Menschen wirken, die sich an religiöse Werte gebunden wissen. Für viele gläubige Christen stehe das Kreuz aber dafür, "dass der Tod und das manchmal sinnlos scheinende Scheitern nicht das letzte Wort haben".

Es bestehe Übereinstimmung unter den christlichen Kirchen in Österreich, "diesem deutlichen Trend zur Privatisierung von Religion, der Zurückdrängung von Religion in die Privatsphäre, zu widerstehen".

(forts. mgl.)
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