Privatversicherungswirtschaft bewältigt Finanzmarktkrise mit mäßigen Einbußen

Wien (OTS/WIFO) - Für die österreichische Privatversicherungswirtschaft brachte 2008 neuerlich eine nur verhaltene Steigerung der Prämieneinnahmen. Seit 2006 liegen die Wachstumsraten der Gesamtbranche in einem engen Band zwischen 1,4% (2008) und 2,1% (2007). Die Finanzkrise wirkte sich negativ auf die Branche aus, weil sie in allen drei Abteilungen der Versicherungswirtschaft hohen Abschreibungsbedarf verursachte. Nach Schätzungen des WIFO betrug dieser Abschreibungsbedarf in der österreichischen Versicherungswirtschaft seit 2007 2,1 Mrd. Euro; der Überschuss aus der Finanzgebarung verringerte sich dadurch deutlich.

Aufgrund des mäßigen Wachstums der Versicherungswirtschaft nahmen die abgegrenzten Bruttoprämien schwächer zu als das nominelle Bruttoinlandsprodukt, und die Versicherungsdurchdringung verringerte sich weiter (auf 5,7% des BIP). Die Lebensversicherung erwies sich 2008 als Wachstumsträger der Branche (+2,2%), während die Schaden-Unfallversicherung (+0,4%) nahezu stagnierte. Dementsprechend verschob sich die Struktur zwischen den drei großen Versicherungsabteilungen wieder leicht zugunsten der Lebensversicherung. Die Krankenversicherung entwickelte sich robust (+3,5%) und steigerte ebenfalls ihren Anteil am Prämienvolumen.

Die Einnahmen ausländischer Versicherer aus dem EWR im Direktgeschäft in Österreich betrugen 4,9% (2006) des Gesamtmarktes. Durch die Verlagerung zur Lebensversicherung unterscheidet sich der österreichische Versicherungsmarkt deutlich von den anderen westeuropäischen Ländern. Dort war es gerade die Lebensversicherung -besonders fonds- und indexgebundene Produkte - die zum Rückgang beitrugen (-6,9% real auf Dollarbasis), während die Nicht-Lebensversicherung wesentlich stabiler blieb. In Westeuropa war hingegen der Einbruch von Einmalerlägen in fondsgebundene Produkte für die ungünstige Entwicklung maßgebend; er fiel auf den großen Märkten etwa in Frankreich, Großbritannien, Irland und Italien besonders stark aus. Für das laufende Jahr 2009 ist die Branche pessimistisch. Insgesamt dürften die Prämieneinnahmen um 0,3% schrumpfen, wobei die Lebensversicherung mit -2,5% die Entwicklung dominiert.

Die Geschäftsentwicklung des Jahres 2009 war durch ein verhältnismäßig niedriges Wachstum der Aufwendungen für Versicherungsfälle gekennzeichnet. Die Finanzkrise wirkte sich negativ auf die Branche aus, weil sie in allen drei Abteilungen der Versicherungswirtschaft hohen Abschreibungsbedarf verursachte (Abbildung 1). Nach Schätzungen des WIFO erreichte der Abschreibungsbedarf in der österreichischen Versicherungswirtschaft seit 2007 2,1 Mrd. Euro und dämpfte den Überschuss aus der Finanzgebarung deutlich. In der Lebensversicherung wurden sogar das versicherungstechnische Ergebnis und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit negativ.

Abbildung 1: Überschuss der Finanzgebarung nach Versicherungsabteilungen - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 10/2009,
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=37125&typeid=8&d
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