"Kleine Zeitung" Kommentar: "Weg mit dem Fett - heuer ist nicht viel zu holen für Beamte" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 3.11.2009

Graz (OTS) - Der Gong ist erklungen. Unsere Beamten steigen mit
der Regierung um höhere Gehälter in den Ring. Zeitlich ist der Auftakt gewöhnlich, die aktuelle Situation ist es aber ganz und gar nicht: Ausgerechnet jetzt, wo abertausende Studenten für mehr Uni-Geld demonstrieren, die mächtige Zwei-Millionen-Wählerschaft der Pensionisten mehr ertrotzen will, als ihr gesetzlich zusteht, hauen auch die Staatsdiener auf die Pauke.

Freilich sagt noch kein Beamten-Gewerkschafter, wie viel er wirklich will. Es ist auch unüblich, dass sich die Kontrahenten vorher ausrichten, worüber im Detail zäh gefeilscht werden soll. Deshalb hat die rote Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine Chiffre gewählt, die jedenfalls jeder Bauer versteht: Heuer werde es "nur Magermilch" für die Beamten geben. Laut Gesetzgeber darf die einen Fettgehalt von null bis 0,3 Prozent haben.

Das hier ist kein billiges Beamten-Bashing, kein Herumreiten auf dem Klischee des stets beleibten, mit Hosenträgern, Ärmelschonern und Butterbrot an seinem auch in Krisenzeiten absolut gesicherten Schreibtisch kauernden Staatsdieners, der auch gern hoch zu Ross auf dem wiehernden Amtsschimmel daherkommt.

Kein billiges Vorurteil ist hingegen, dass der Großteil unserer Beamten relativ - im Vergleich zu vielen, die immer weniger verdienen - immer besser bezahlt ist und überwiegend auf hohem Niveau klagt. Der nur selten berechtigte Jammer darf aber im Krisenjahr 2009 absolut kein Gehör finden.

Kärnten und Salzburg hüpfen es vor: Wenn das Geld hinten und vorn nicht mehr reicht und Budgets mehr als krachen, muten sie ihren Beamten eine Nulllohnrunde zu. Gleichzeitig brechen sie auch mit der alten Tradition, dass stets der Bund mit dem Abschluss für seine rund 210.000 Gehaltsempfänger die Richtschnur für alle spannt.

Auch wenn Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer vor dem Verhandlungsauftakt ins Mikrofon poltert, über ein vom Reporter ins Spiel gebrachte Plus von 0,5 Prozent "net amoi red'n" zu wollen: Das mag Rhetorik sein, die zu Gewerkschaftern passt, die aber die Wahrheit total vernebelt. Österreichs Wirtschaft wird heuer um 3,4 Prozent schrumpfen.

Würden Gewerkschafter die alte Benya-Formel weiter ernst nehmen, käme heuer statt einer Zuwaage eine Gehaltskürzung heraus. Die Formel hat nämlich geheißen: Abgeltung der Inflation (0,5 Prozent) plus die halbe Wirtschaftsleistung. Das Ergebnis: Ein Minus von 1,2 Prozent. Daran gemessen, ist auch die "Magermilch" viel zu fett.****

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