Wiener Zeitung: "Editorial" von Reinhard Göweil

Ausgabe vom 3. November 2009

Wien (OTS) - Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Zeitungen sind widersprüchliche Wesen. Auf der einen Seite leben sie von Veränderung, auf der anderen von Gewohnheit. Leserinnen und Leser wollen wissen, woran sie bei einer Zeitung sind - und haben ein Anrecht darauf. In "seine" Zeitung marschiert man hinein wie in die eigene Wohnung. Daher werden in Wohnungen Küche und Schlafzimmer so selten umgestellt - jeder will sich auskennen, wo was zu finden ist.

Damit das so bleibt - um eine zugegeben abgegriffene Metapher zu verwenden - muss alles verändert werden. Medien unterliegen einem Wandel. Die "Wiener Zeitung" stellt sich nun - unter meiner Führung -diesem Wandel.

Die Studierenden führen es gegenwärtig vor: Sie machen genau das, was bisher unter dem Schlagwort Zivilgesellschaft theoretisch abgehandelt worden ist. Abseits von politischen Parteien und Standesvertretern entsteht eine neue Öffentlichkeit - mit neuen Organisationsformen, neuen Medien und einer neuen Form der Diskussionskultur.

Die "Wiener Zeitung" soll im Medienbereich diese avantgardistische Position einnehmen. Die Eigentümerin der Zeitung ist die Republik -und die Republik sind wir alle. Wir werden - in der Mitte dieser Republik stehend - ein Diskussionsforum für die relevanten Zukunftsthemen des Landes sein. Es geht darum, die Vielfalt und Lebendigkeit dieser Republik darzustellen - und die Säulen, auf denen sie ruht: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz, Freiheit und soziale Partnerschaft.

Das ist die Aufgabe der "Wiener Zeitung". Sie wurde 1703 gegründet und gilt als die älteste Tageszeitung der Welt. In diesen Jahren schwappte die Idee einer liberalen Gesellschaft - von England kommend - auf den Kontinent über. Damit ist sie prädestiniert für die Zukunft, vor der wir stehen.

Die "Wiener Zeitung" wird ihre Tugenden - und ihr kompetentes Redaktionsteam - dafür nutzen. Wir werden den Online-Auftritt ebenso neu aufstellen wie manche Inhalte der Zeitung. Damit Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser, auch in Zukunft beim Zeitunglesen lieb gewordene Gewohnheiten beibehalten können, ohne auf das Neue zu verzichten.

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