"Kirche soll das europäische Projekt mehr unterstützen"

Deutscher EU-Politiker Hans-Gert Pöttering bedauert, dass die Bedeutung des Kirchen-Artikels im Lissabon-Vertrag zuwenig erfaßt wird - Der frühere Präsident des Europaparlaments arbeitet weiterhin am Zustandekommen eines Besuches von Papst Benedikt XVI. in diesem Gremium

Brüssel, 02.11.2009 (KAP) Der deutsche EU-Politiker Hans-Gert Pöttering (CDU) wünscht sich von der katholischen Kirche "mehr Unterstützung" für das europäische Projekt. Die Kirche solle doch begreifen, welche Chance der Lissabon-Vertrag auch für sie bedeute. Das sagte der frühere Präsident des EU-Parlaments im Gespräch mit "Radio Vatikan". Sein Wunsch richte sich auch an den Heiligen Stuhl, so Pöttering. Er bedaure, dass es noch nicht zu einem Besuch von Papst Benedikt XVI. im EU-Parlament gekommen sei, doch habe er die Hoffnung darauf "noch nicht aufgegeben". In den letzten Tagen habe er zahlreiche Gespräche im Vatikan geführt; dabei sei es auch um den "Dialog der Kulturen" gegangen. Pöttering erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es in Saudiarabien nach wie vor keine einzige christliche Kirche gibt. Hier müsse gefordert werden, dass die Dinge sich bewegen. Das brauche natürlich Zeit, "aber wir müssen auch für unsere Werte eintreten".

Zur Bedeutung des Lissabon-Vertrages für die Kirchen sagte Pöttering: "Erstmals überhaupt im europäischen Recht werden die Kirchen und Religionsgemeinschaften in einem Artikel erwähnt; es wird auch gefordert - und damit garantiert -, dass es einen Dialog zwischen den Kirchen und den europäischen Institutionen geben soll. Ich hätte mir auch von der katholischen Kirche gewünscht, dass dies sehr viel positiver hervorgehoben worden wäre". In Teilen der katholischen Kirche werde immer nur die Europäische Union "und das, was schief läuft", kritisiert. Die Europa-Politiker, die Katholiken sind, bräuchten aber dringend "Ermutigung und nicht nur Kritik", so der frühere Präsident des EU-Parlaments.

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