Finanzkrise trifft Exporteure nun durch Probleme bei Devisentransfers

OeKB Versicherung springt bei erstem politischem Schadensfall in Venezuela ein

Wien (OTS) - Aus manchen Ländern bekommen Exporteure nur schwer
ihr Geld, auch wenn Kunden zahlen wollen. Im Falle Venezuelas liegt dies an massiven Einschränkungen für Devisentransfers im Zuge der Finanzkrise. Ein oberösterreichischer Lieferant, der mit einer Polizze der OeKB Versicherung AG auch gegen politische Schadensfälle geschützt war, kam kürzlich mit einem blauen Auge davon und bekam den Schaden ersetzt.

Devisengenehmigung bremst Zahlungen

Aktuell leiden praktisch alle Geschäftsbeziehungen zu Venezuela unter langen Zahlungsverzögerungen. Denn jede Zahlung in Devisen muss von der staatlichen Devisenbewirtschaftungsbehörde CADIVI (Comisión de Administración de Divisas) genehmigt werden. Dies verursacht inzwischen Zahlungsverzögerungen bis zu einem Jahr, von denen auch österreichische Exporteure betroffen sind.

"Neun Monate Verspätung bei der Überweisung der Devisen an den Lieferanten sind heute die Regel", erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung AG, "Daher ist die Einreichung eines Schadens für Venezuela-Geschäfte derzeit erst ab neun Monaten Wartefrist möglich". Trotzdem steigen die Verzugsmeldungen deutlich, vor allem in den Branchen Papier und Elektrizität. Bleibt die Devisenzuteilung von CADIVI aus, liegt ein politischer Schadensfall vor, der standardmäßig durch Polizzen der OeKB Versicherung abgedeckt ist. Ein österreichischer Lieferant für Bürobedarf habe erst kürzlich einen für sein Unternehmen bedrohlichen Zahlungsausfall erlebt, sei aber umfassend abgesichert gewesen. Wenn überhaupt möglich, wäre dafür bei anderen Kreditversicherungen eine Extra-Vereinbarung gegen Entgelt nötig gewesen. Viele Kunden sparen sich im Zweifelsfall eine solche aus Kostengründen.

"Wir sind optimistisch und setzen gemeinsam mit dem Versicherungsnehmer alles daran, dass das Geld doch noch fließt. Dann würde auch der Selbstbehalt des Kunden wieder wegfallen", erklärt Karolina Offterdinger. Venezuela sei ein klassisches Beispiel dafür, wie wichtig die Absicherung politischer Risiken sein könne: "15 Jahre lang haben wir keinen politischen Schadensfall in Venezuela gehabt", so Offterdinger. Wer keine umfassende Absicherung habe, gerate jedoch in prinzipiell risikoreicheren Märkten unversehens in große Schwierigkeiten.

Fakten zur Wirtschaft in Venezuela

Die Exporte Venezuelas umfassen zu 85 % Rohöl. Durch den Preiseinbruch im Zuge der globalen Wirtschaftskrise leidet die Wirtschaft akut unter dieser spezifischen Exportabhängigkeit. Die Rezession brachte nicht nur hohe Budgetdefizite und Einbrüche der Außenbilanzen mit sich, sondern reduzierte auch die Devisenreserven deutlich. Aktuelle Prognosen erwarten einen erheblichen Anstieg der öffentlichen und externen Verschuldung des Landes.

Reglementierung verursacht Überbewertung des Bolívar Fuerte

Der Wechselkurs des Bolívar Fuerte (VEF) bleibt von CADIVI streng geregelt, was eine starke Überbewertung der Währung zur Folge hat. Der Wechselkurs zum USD beträgt durch diese staatliche Regulierung VEF 2,15. Um den Druck auf die Währung zu verringern, werden die Importe zum offiziellen Wechselkurs möglichst gering gehalten. Weiters wird der Zugang zu Fremdwährungen zum offiziellen Wechselkurs immer schwieriger, wodurch Importe zunehmend zum Parallelkurs abgewickelt werden. Die Einführung eines dualen Wechselkurssystems ist offiziell kein Thema. De facto wird der Bolívar gegenüber dem USD am Schwarzmarkt zum doppelten Kurs gehandelt.

Die Finanzierung der Budgetdefizite und die graduellen Erhöhungen der kontrollierten Preise lassen die Inflation drastisch ansteigen. Präsident Hugo Chávez verfolgt eine strikte Verstaatlichungspolitik unter der es verstärkt zu Enteignungen internationaler Unternehmen kommt. Davon besonders betroffen sind strategisch sensible Versorger wie Unternehmen der Zement-, Telekom- und Stahl-Branche sowie logistische Zentren. Es ist daher auch in nächster Zeit mit einem starken Einbruch von Auslandsinvestitionen zu rechnen.

Der Ausblick für das kommende Jahr bleibt weiter negativ. Der Tiefpunkt der Rezession wird trotz des leicht steigenden Ölpreises voraussichtlich erst 2010 erreicht. Ebenso wird mit einem zusätzlichen Anstieg der Inflation sowie weiter zunehmendem Druck auf die Währung gerechnet. Auch eine Normalisierung des Geschäftsklimas ist nicht in Sicht. Lediglich die Außenbilanzen dürften sich dank der globalen wirtschaftlichen Erholung 2010 und des steigenden Ölpreises leicht verbessern.

Über die OeKB Versicherung

Eigentümer der OeKB Versicherung AG sind zu 51 % die Oesterreichische Kontrollbank AG und zu 49 % die deutsch-französische Euler Hermes Kreditversicherungs-AG. Die OeKB Versicherung AG deckt Schäden, die durch den Ausfall von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen entstehen. Dies gilt sowohl bei Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsverzug. Bei Exportgeschäften ist auch das politische Risiko automatisch abgesichert. Das Unternehmen ist spezialisiert auf professionelles Risikomanagement und auf die Versicherung von Risiken in Ost- und Südosteuropa, Asien und Übersee. 2008 lag der Prämienumsatz bei
21 Mio. Euro.

Ein druckfähiges Foto von Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung AG, finden Sie unter
http://www.oekbversicherung.at/bin/file.bin?id=4318513

Venezuela im Fokus
(Tabelle als PDF "Venezuela im Fokus" im Anhang)

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Barbara Steurer
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