Als die Mauer fiel: Wien vor 20 Jahren - Rumänien (4)

Stadt Wien organisierte binnen Stunden 500 Tonnen Hilfsgüter und "Lazarettzug"

Wien (OTS) - Nach dem Mauerfall und der Wende 1989 in der DDR und anderen osteuropäischen Staaten, kam es in Rumänien im Dezember 1989 zu blutigen Demonstrationen gegen das kommunistische Regime des Nicolae Ceausescu (1918-1989). Der Aufstand gegen den "Conducator" (Führer), der dem Land jegliche Reformen versagte, führte letztendlich zur "Rumänischen Revolution", die mehr als tausend Todesopfer forderte. Nachdem sich die Armee mit den Demonstranten verbündete, wurde Ceausescu am 25. Dezember 1989 vor ein Militärgericht gestellt und standrechtlich erschossen. Für das verarmte Land liefen weltweite Hilfsaktionen an.

Wiener "Hilfszug" mit Operationssaal und 500 Tonnen Hilfsgütern

In Wien beauftragte der damalige Bürgermeister Helmut Zilk (1927-2008), unmittelbar nach einer Journalistenanfrage, am Nachmittag des 23.12.1989, den ehemaligen Leiter der Magistratsdirektion-Verwaltungsorganisation, Friedrich Brunner, ein Konzept für mögliche Hilfeleistungen nach Rumänien zu erstellen. Innerhalb von zwei Stunden wurde ein Krisenstab eingerichtet, der den Einsatzplan bestimmte. Konkret wurde festgelegt, Ärzte, Sanitäter, medizinische Geräte und Medikamente auf dem Bahnweg in das rund 400 Kilometer entfernte Land zu transportieren. Einsatzorganisationen der Stadt Wien, wie etwa Rettungsdienst und Feuerwehr, sowie Hilfsorganisationen, wie die Caritas, stellten kurzfristig geeignetes Personal und Hilfsgüter zur Verfügung. Die Wienerinnen und Wiener wurden eingeladen, Hilfspakete für Rumänien zusammenzustellen, die auch an den Weihnachtsfeiertagen an offiziellen Stellen abgegeben werden konnten. Nach dem Grundsatz "nur schnelle Hilfe ist gute Hilfe" fuhr der rund 700 Meter lange "Hilfszug" bereits am 25.12.1989 mit rund 15 Tonnen medizinisches Material und 50 Tonnen Lebensmittel Richtung Klausenburg. Auf dem Zug befanden sich weiters sieben Rettungsfahrzeuge der Stadt Wien. Zur medizinischen Notversorgung führte der Lazarettzug auch einen - zu einem rollenden Operationssaal umgebauten - Waggon mit. Mit an Board waren rund 25 Ärzte sowie 50 Krankenpfleger.

"Vorauskommando" nach Rumänien

Ein "Vorauskommando" der Stadt Wien war bereits zuvor Richtung rumänischer Grenze abgereist, um mit den dortigen Behörden in Kontakt zu treten. "Die politische Situation blieb jedoch völlig unklar", erinnert sich Brunner. "Die Kommunikation mit den Einsatzkräften war nahezu unmöglich, da es keine Funkverbindung gab und Telefonanrufe nur sporadisch durchkamen. Erst nach weiteren Absprachen mit der rumänischen Armee fuhr der Hilfszug schließlich nach Temesvar. Die mitgebrachten Hilfsgüter wurden den lokalen Krankenhäusern und Hilfsorganisationen überlassen."

In weiterer Folge wurden mehr als 500 Tonnen Hilfsgüter per Schiff von Wien nach Bukarest gebracht. Aufgrund der enormen Hilfsbereitschaft der Wienerinnen und Wiener appellierte die Einsatzleitung nicht mit privaten PKWs nach Rumänien zu fahren, um vor Ort zu helfen. Dies sei nach wie vor gefährlich und eine sinnvolle Verteilung könne nicht gewährleistet werden.

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