Als die Mauer fiel: Wien vor 20 Jahren (1)

Zeitungen in tschechischer und slowakischer Sprache - Freifahrt mit öffentlichen Verkehrsmittel und Telefonservice

Wien (OTS) - Am 9. November 1989 fiel mit der Berliner Mauer nicht nur der Grenzwall zwischen Ost- und Westberlin sondern auch das markanteste Symbol für den Ost-West-Konflikt. Der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk (1927-2008) gratulierte seinen Berliner Amtskollegen Walter Momper und Gerhard Krack "zu der großartigen und menschlich tiefbewegenden Entwicklung in Berlin" und betonte die positiven Beziehungen zwischen Wien und Berlin. "Die Welt hat seit 1945 nur wenige positivere Ereignisse erlebt und wir alle sind um eine große Hoffnung reicher", so Zilk am 10.11.1989 in der Rathauskorrespondenz.****

Zeitungen in tschechischer und slowakischer Sprache

Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse "berief die Stadt blitzartig einen Krisenstab ein, dessen Mitarbeiter innerhalb weniger Tage und Nächte Konzepte für die Gewährleistung von Verkehrs- und Sicherheitsstandards ausarbeiteten", so der Leiter des Presse- und Informationsdienstes der Stadt Wien (PID), Fred Vavrousek. Aufgrund des erwarteten Massenansturms von tschechischen Bürgern wurden beheizte Zelte sowie Sanitäranlagen aufgestellt und für ärztliche Betreuung gesorgt.

Nach Wegfall der Visapflicht setzte die Stadtregierung noch weitere Maßnahmen: An den Grenzübergängen wurden Zeitungen in tschechischer und slowakischer Sprache verteilt, die über Park-, Einkaufs- und Nächtigungsmöglichkeiten informierten. Zusätzlich wurde am 4. Dezember ein Telefonservice in tschechischer Sprache eingerichtet, das bereits am zweiten Tag rund 500 Ratsuchende in Anspruch nahmen. Drei große Parkplätze - beim Stadion, auf der Donauinsel auf Höhe Floridsdorfer Brücke und beim Arbeiterstrandbad -wurden geschaffen, an denen das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel möglich war. An diesen Parkplätzen organisierte der PID weitere, von tschechisch-sprachigen Mitarbeitern, betreute Auskunftsstellen. Unterstützt wurden sie auch von Pannenhelfern der Autofahrerklubs. Am 4.12., als die Grenzen der damaligen Tschechoslowakei offen waren, zählte man etwa 1.000 PKWs von der CSSR nach Österreich. Der erwartete Massenansturm blieb zwar am ersten Tag der offenen Grenzen aus, drei Tage später jedoch stieg die Anzahl stark an.

Rekordbesuch von Gästen aus der ehemaligen CSSR

Besonders in der Vorweihnachtszeit 1989 verzeichnete Wien einen Besucherrekord aus der damaligen CSSR. Rund 160.000 tschechoslowakische Staatsbürger nutzten den vorletzten Einkaufstag, um Wien zu besuchen. Wobei das Hauptziel der BesucherInnen neben der Mariahilfer Straße und der Innenstadt, vor allem die Praterstraße war. Viele tschechische Gäste bestaunten an den Weihnachtsmärkten ungläubig die angebotene Ware, während die Wiener ihre Festtags-Einkäufe erledigten. "Da stießen zwei Welten aufeinander", so Vavrousek rückblickend. Ein Null-Tarif auf den öffentlichen Verkehrsmitteln verhinderte an diesem Wochenende ein befürchtetes Verkehrschaos. Erst bei der EURO 2008 war die Wiener Stadtverwaltung wieder mit einem ähnlich großen Organisations-Ereignis konfrontiert.

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