"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gepflegte Feindschaft" (Von Christian Jentsch)

Ausgabe vom 23. Oktober 2009

Innsbruck (OTS) - Israel und Iran sollen miteinander gesprochen haben. Ein Lichtblick inmitten gepflegter Feindschaft.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Nach Berichten über ein Geheimtreffen zwischen Vertretern Israels und des Iran üben sich beide Seiten in diplomatischen Verrenkungen. Der offizielle Iran dementiert das Treffen und spricht von einem Lügengebäude. Und Israel betont, dass es zu keinen direkten Gesprächen gekommen sei. Denn:
Zwischen den beiden Erzfeinden soll es zu keiner Annäherung kommen. Eine lang gehegte Feindschaft wirft man nicht so einfach über Bord. Noch dazu, wenn man davon profitiert.

Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad gefällt sich in seiner Rolle als Hetzer gegenüber Israel. Aber nicht deswegen, weil er dem iranischen Volk damit aus der Seele spricht. Ganz im Gegenteil: Der äußere Feind soll die Gegenspieler im eigenen Land im Zaum halten. Der angedrohte Militärschlag Israels ist Balsam auf die Wunden eines Präsidenten, der nach den umstrittenen Wahlen unter Druck gekommen ist. Falls Israel iranische Atomanlagen angreifen sollte, ist Irans Opposition Geschichte. Und eine weitere Radikalisierung der Islamischen Republik die logische Folge. Verhandlungen mit dem Erzfeind Israel passen da nun wirklich nicht ins Bild.

Aber auch die neue israelische Regierung unter Premier Netanyahu und seinem polternden Außenminister Lieberman hat es mit dem Frieden nicht so eilig. Bei den Verhandlungen mit den Palästinensern steht man auf der Bremse. Und gegenüber dem Iran könne man nur mit Härte punkten. Noch ist von einem Umdenken weit und breit nichts zu bemerken. Da ist selbst ein dementiertes Geheimtreffen ein Lichtblick.

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