Heinisch-Hosek: Migrantinnen sind nicht nur Opfer mit Kopftuch

Frauenministerin lud zur Podiumsdiskussion über die vielfältigen Lebensmuster von Frauen mit Migrationshintergrund

Wien (OTS) - "Oft haben wir nur die Kopftuch tragende, zwangsverheiratete Türkin im Sinn, wenn wir an Migrantinnen denken, aber das ist zu weiten Teilen ein Vorurteil", so eröffnete Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek die Diskussion über die Situation der Migrantinnen im Palais Dietrichstein. Es gebe je nach Herkunftsland, Gruppenzugehörigkeit und Bildungsstand höchst unterschiedliche Lebensrealitäten. Eine Stereotypisierung berge die Gefahr, die realen Probleme wie auch das große Potential dieser Frauen aus den Augen zu verlieren. "Daher müssen wir für die verschiedenen Gruppen von Migrantinnen auch differenzierte Angebote machen", so Heinisch-Hosek.

Es werde darüber debattiert, dass Frauenrechte im Widerspruch zur Multikulturalität stehen, sagte die Frauenministerin. Oft würden im Namen der Frauenrechte Kulturen, vor allem die muslimischen, angegriffen. Und diese Argumente würden auch von populistischen Politikern gegen fremde Kulturgruppen missbraucht. "Gehen wir zu sehr von einem westlichen Mittelschichtsfeminismus aus?", hinterfragte Heinisch-Hosek derartige Stereotypenbildungen "Wie reden wir mit Migrantinnen, wie viel westlichen Lebensstil schreiben wir ihnen vor, welche Möglichkeiten bieten wir Frauen, die sich auf einen weiten Weg gemacht haben?"

Die Podiumsdiskussion im Frauenministerium wollte Heinisch-Hosek als Startpunkt und Anstoß für ihre Arbeit zum Thema Migrantinnen im kommenden Jahr sehen. "Wir müssen intensiv debattieren, die Lebensrealitäten von Migrantinnen genauer analysieren, um damit Rahmenbedingungen schaffen zu können, die diesen Frauen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen." Kultur dürfe auch nicht als Rechtfertigung für die Unterdrückung von Frauen herhalten, betonte Heinisch-Hosek.

Am Podium Saniye Blümel, türkischer Herkunft, die nach dem Bruch mit den Eltern eine Lehre und später als Werkzeugmacherin Karriere machen konnte, Tülay Tuncel, aus kurdischer Familie, die sich als Integrationspolitikerin engagiert, die Schauspielerin und Regisseurin Sandra Selimovic, aus einer serbischen Roma-Familie, die erst vor einer Zwangverheiratung flüchten musste, ehe sie ihren Weg machen konnte. Dazu Anja Götz aus Deutschland, die Mädchen im Verein "Sprungbrett" bei der Berufswahl berät. Die ORF-Report Mitarbeiterin Münire Inam, aus der Türkei stammend, moderierte.

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