Frauenberger präsentiert SORA-Frauenbarometer und neue Kampagne

"Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt" schafft Bewusstsein und bewirbt Hilfseinrichtungen

Wien (OTS) - Die Ergebnisse des neuen SORA-Frauenbarometers über das "Sicherheitsempfinden von Frauen in Wien" präsentierte Frauenstadträtin Sandra Frauenberger am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Eva Zeglovits (SORA) und der Kabarettistin Andrea Händler. Zusätzlich präsentierte die Stadträtin eine neue Kampagne unter dem Titel "Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt".

Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Entwicklung und Ausbau entsprechender Maßnahmen zu haben, hat die MA 57 (Frauenabteilung der Stadt Wien) das SORA Institute for Social Research and Analysis unter der wissenschaftlichen Leitung von Mag.a Eva Zeglovits beauftragt, eine Erhebung über das subjektive Sicherheitsempfinden der Wienerinnen durchzuführen. Frauenberger:
"Wien ist eine sichere Stadt und das spiegelt sich auch im subjektiven Sicherheitsempfinden der Wienerinnen. Gezeigt hat das Frauenbarometer aber auch, dass wir Informations- und Beratungsangebote verstärkt bewerben müssen."****

Hohes Sicherheitsgefühl in der Wohnumgebung

SORA hat mit 807 Wienerinnen ab dem 12. Lebensjahr im Zeitraum September und Oktober 2008 Telefoninterviews durchgeführt. Untersucht wurden insbesondere die Themenbereiche persönliche Sicherheit, Sicherheit im Wohnumfeld und Sicherheit im öffentlichen Raum. Mehr als die Hälfte (54 %) der befragten Frauen fühlen sich demnach in ihrer Wohnumgebung sicher, mehr als ein Viertel der Frauen fühlt sich ziemlich sicher. 9 % fühlen sich wenig und 2 % gar nicht sicher. Zeglovits: "Wichtige Einflussvariablen auf das Sicherheitsempfinden in der Wohnumgebung sind die Wohnverhältnisse. Frauen fühlen sich umso unsicherer, je größer das Wohngebäude ist. Zudem fühlen sich allein lebende Frauen weniger sicher. Unter den für die Sicherheit relevanten Institutionen genießt die Polizei das größte Vertrauen, gefolgt von den Gerichten und den RechtsanwältInnen. Das Sicherheitsempfinden in der Wohnumgebung ist umso höher, je größer der FreundInnenkreis der Frauen ist und je besser die nachbarschaftlichen Beziehungen sind."

80 % erleben nie oder selten bedrohliche Situationen

35 % der Befragten gaben an, dass sie im öffentlichen Raum nie bedrohliche Situationen erleben, fast die Hälfte (45 %) erlebt solche Situationen selten, 16 % gelegentlich. 5 % der Frauen erleben bedrohliche Situationen oft. Im Dunkeln fühlen sich die Wienerinnen in der Wohnung, im Auto, im Taxi und in der Innenstadt am sichersten. Am wenigsten sicher fühlen sie sich auf Parkplätzen, großen Grünanlagen, in Parkgaragen und Unterführungen.

40 % der Befragten halten es für ziemlich bis sehr wahrscheinlich, von Entreißdiebstahl, von Pöbeleien sowie Beschimpfungen persönlich betroffen zu sein. Ein Viertel bzw. ein Fünftel der Frauen hält es für ziemlich bis sehr wahrscheinlich, überfallen und beraubt bzw. sexuell belästigt zu werden. Ein Fünftel der befragten Frauen hat bereits Pöbeleien oder Beschimpfungen erlebt, jeweils 17 % Sachbeschädigung sowie telefonische Belästigung und 11 % erfuhren bereits sexuelle Belästigung.

Gezeigt hat die Erhebung auch, dass Frauen in Situationen, in denen sie sich unsicher fühlen, jene Maßnahmen anwenden, die von ExpertInnen als sinn- und wirkungsvoll genannt werden. So versuchen 81 % der Frauen Selbstbewusstsein und keine Angst auszustrahlen, 61 % nehmen Umwege in Kauf, fast jede fünfte Frau hat bereits einen Selbstverteidigungskurs absolviert.

Beratungseinrichtungen nicht hinreichend bekannt

Die Frauenabteilung der Stadt betreibt eigene Einrichtungen für Opfer von Gewalt und vergibt andererseits Förderungen an Vereine, Projekte und NGOs, die in den Bereichen Sicherheit und Gewaltschutz tätig sind. Immerhin ein Drittel der von SORA befragten Frauen gab allerdings an, keine der bekannten Opferschutzeinrichtungen, wie den Verein Wiener Frauenhäuser, den 24 Stunden Frauennotruf, die Interventionsstelle gegen Gewalt oder den Weissen Ring, zu kennen. Frauenberger: "Wien hat für die Sicherheit von Frauen viel zu bieten, wir müssen unsere Angebote jedoch verstärkt bewerben. Frauen und Mädchen sollen ermutigt werden, sich Information, Unterstützung und Hilfe zu holen."

Die Frauenabteilung der Stadt hat darum die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt, um Opferschutzeinrichtungen und Hilfsangebote noch bekannter zu machen. Bei der MA 57 gibt es kostenloses Infomaterial wie die "Sicherheitstipps für Mädchen und Frauen". Viele Broschüren sind auch in 12 Sprachen erhältlich. Informationsveranstaltungen und Messen werden genutzt, um das Angebot vorzustellen. Wichtige Zielgruppen sind ältere Frauen und Migrantinnen, gerade sie besuchen diese Veranstaltungen häufig. Am Frauentelefon (01/408 70 66) wurde ein eigner Beratungsschwerpunkt für ältere Frauen eingerichtet.

24-Stunden Frauennotruf und Wr. Frauenhäuser helfen

Begleitung und Unterstützung im Kontakt mit Behörden und Institutionen bietet der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien. Die Expertinnen begleiten Frauen und Mädchen zur Polizei, zu Gericht, ins Krankenhaus und zu Vorbereitungsterminen bei Rechtsanwältinnen. Zudem werden Klientinnen auf ihre Aussagen bei der Polizei bzw. bei Gericht vorbereitet. Im Jahr 2008 verzeichnete der 24-Stunden Frauennotruf 7.633 Beratungen. Von Jänner bis September 2009 wurden 6.010 Beratungskontakte durch die Beraterinnen des 24-Stunden Frauennotrufes durchgeführt.

Die vier Wiener Frauenhäuser bieten von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern Schutz, Unterstützung, eine vorübergehende Wohnmöglichkeit sowie psychosoziale und rechtliche Beratung. Im Jahr 2008 wurden 557 Frauen mit ihren 514 Kindern in den vier Wiener Frauenhäusern betreut. Insgesamt wurden 62.408 Aufenthaltstage gezählt. In mittlerweile 43 Wohnungen betreut der Verein Wiener Frauenhäuser Frauen, die zwar nicht mehr so bedroht sind, dass sie den Schutz des Frauenhauses benötigen, aber noch etwas Zeit brauchen, um sich eine selbstständige Existenz aufzubauen. Der Verein Wiener Frauenhäuser betreibt zudem eine ambulante Beratungsstelle.

Neue Kampagne "Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt"

Unter dem Titel "Der richtige Standpunkt: Gegen Gewalt" präsentierte die Stadträtin zudem eine neue Kampagne. Ihr Ziel ist es, das Thema 'Gewalt gegen Frauen' noch stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben, Beratungsstellen zu bewerben sowie jede und jeden zur Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt aufzurufen.

Prominente Testimonials wie Andrea Händler, Klaus Eberhartinger und Ümit Korkmaz unterstützen die Kampagne mit ihrem "Standpunkt:
gegen Gewalt". Die Standpunkte der Testimonials: "Keine Spielraum für Gewalt gegen Frauen!" (Andrea Händler), "Gewalt gegen Frauen? Klares Abseits!" (Ümit Korkmaz), "Bei Gewalt ist Schluss mit lustig" (Klaus Eberhartinger).

"Ich unterstütze die Kampagne, weil ich Frauen und Mädchen darin bestärken möchte, ihre Grenzen wahrzunehmen und den Respekt vor diesen Grenzen auch von anderen einzufordern. Jede Frau und jedes Mädchen hat das Recht, selbst zu entscheiden, wie nahe ihr jemand kommen darf - und das zu jedem Zeitpunkt", begründet Andrea Händler ihre Motivation, als Testimonial aufzutreten.

Das Konzept der Kampagne stammt aus Deutschland. Dort hat der "Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe" die Aktion unter dem selben Titel im Jahr 2007 sehr erfolgreich durchgeführt. In Wien wird die adaptierte Kampagne von der Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) in Kooperation mit dem 24-Stunden Frauennotruf und dem Verein Wiener Frauenhäuser durchgeführt.

Ab 2010 Mitmachkampagne

Mittels Inseraten in Printmedien, Spots in U-Bahnstationen, Plakaten in U-Bahnen und Straßenbahnen werden die "prominenten" Standpunkte gegen Gewalt öffentlich gemacht und die Beratungsstellen beworben. Ab 2010 sind dann alle Frauen und Männer, Mädchen und Buben aufgerufen, sich an der Kampagne zu beteiligen. Jede und jeder hat die Möglichkeit, einen eigenen "Standpunkt gegen Gewalt" mit einem Foto der Beine auf der Kampagnen-Homepage ( www.frauen.wien.at ) zu veröffentlichen.

Zusätzlich gibt es mehrsprachige Freecard-Folder mit unterschiedlichen Testimonials. Ein Gemeinschafts-Plakat aller Einrichtungen, die in Wien im Opferschutz tätig sind, von Polizei über Beratungsstellen und Spitäler, soll der Bevölkerung das breite Netz bewusst machen. Alle Materialen können online unter www.frauen.wien.at heruntergeladen und kostenlos unter 4000-83518 bestellt werden. Die Kampagne wird in mehreren Wellen bis Ende 2010 laufen. Auch einige themenbezogene Veranstaltungen sind im nächsten Jahr Teil der Kampagne.

Gewalt an Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das -unabhängig von Herkunft, sozialer Schicht, Kultur oder Bildungsstand - Frauen und Mädchen jeden Alters betreffen kann. Für viele Frauen und Mädchen ist Gewalt alltägliche Realität. In Österreich wird jede fünfte in einer Beziehung lebende Frau von ihrem Ehemann oder Lebensgefährten misshandelt. 90 % aller Gewalttaten an Frauen und Kindern werden in der Familie und im sozialen Nahraum verübt. Die Dunkelziffer ist vor allem bei familiärer Gewalt sehr hoch. Viele betroffene Frauen und Mädchen schweigen. "Das hängt auch damit zusammen, dass das öffentliche Bewusstsein im Hinblick auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer noch mit vielen Vorurteilen behaftet ist", so Frauenberger.

Noch immer prägen Fehleinschätzungen wie "Gewalt gibt es nur in bestimmten sozialen Schichten und sogenannten 'Problemfamilien'", "Frauen provozieren Gewalt", "Aufreizende Kleidung rechtfertigt sexuelle Übergriffe", "Unzählige kontrollierende Anrufe sind Liebesbeweise", "Vergewaltigungen passieren in erster Linie durch Unbekannte" ein falsches Bild. Frauenberger: "Diese Aussagen verharmlosen, verleugnen und rechtfertigen Gewalt. Sie stärken und entschuldigen die Täter und erschweren den betroffenen Frauen und Mädchen, über die erlebte Gewalt zu sprechen. Mit der Kampagne möchte ich das Schweigen brechen und diese Vorurteile entkräften. Das Verhalten von Frauen, die Gewalt erleben, beeinflusst das Verhalten der Täter nicht - der Täter ist verantwortlich dafür, dass er Gewalt ausübt!"

16 Tage gegen Gewalt - Einladung zum Pfeifkonzert =

Die 16 Tage gegen Gewalt, eine internationale Kampagne für das Recht auf ein gewaltfreies Leben, beginnen am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und enden am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Unter dem Motto "Ich pfeif' auf Gewalt!" findet am 25.11.2009 um 11:30 Uhr ein Pfeifkonzert gegen Gewalt vor dem Wiener Rathaus statt. "Ich rufe die Wiener Bevölkerung auf, ein lautstarkes Zeichen gegen Gewalt zu setzen", lädt Frauenberger Frauen und Männer zum Pfeifkonzert ein.

Das Pfeifkonzert ist eine Aktion des Frauenausschusses des Österreichischen Städtebundes. Auch andere Städte nämlich Klagenfurt, Graz, Salzburg, Villach, Innsbruck, St. Pölten, St. Valentin, Knittelfeld und Wiener Neustadt werden an diesem Tag gegen Gewalt pfeifen. Im Rahmen der Veranstaltung wird Frauenstadträtin Frauenberger aus einer "Resolution gegen Gewalt an Frauen" lesen und die TeilnehmerInnen zum gemeinsamen Pfeifen gegen Gewalt auffordern. Pfeifen können vorab telefonisch unter 4000-83518 bestellt werden, vor Ort werden die Pfeifen verteilt.

Info: Das gesamte Frauenbarometer ist im Internet unter www.frauen.wien.at online abrufbar.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

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Mag.a Marianne Lackner
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Telefon: 01 4000-81853
E-Mail: marianne.lackner@wien.gv.at

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